Allgemeine theologische Bibliothek — 4.1775a [VD18 90309928]

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Der Christus Gottes.
stum aus dm Augen setzten: und das um so viel
mehr, da wir nicht einmal diejenigen verurtheilen
können, welche die Tugend ganz ohne Christo pre-
digen. Denn es ist zwar allemal zu beklagen, wenn
es geschieht, aber man darf doch dergleichen Mora-
listen eben so wenig ganz verwerfen, als Christus
jene Wunderthäter verwarf, die ihm nicht nachfoig-
ten. Luc. 9,49.50. Tugend ist immer etwas gottge-
fälliges: sie mag ohne oder durch das Evangelium
gewirkt werden. Wer sie ohne das Evangelium
prediget, da er doch von der Göttlichkeit des Evan-
gelii überzeugt ist, der ist für seine Person strafbar.
Aber dich macht w-cher seinen Vortrag selbst ver-
werflich, noch die Tugend verächtlich, die er in sei-
nen Zuhörern bewirkte. Die Tugend des Heyden
liebt Gott ohnstreitig so sehr, als die Tugend des
Christen. Denn der Mensch (und auch Crusius
ist hier Mensch) sieht was vor Augen ist,Gott aber
sieht das Herz an. Folglich wird wahre Rechtschaf-
fenheit Gott überall belohnen. Denn aus allerley
Volk, wer Gott fürchtet und recht thut, ist ihm an-
genehm» Das sagt die Schrift. Aber es lehrt's
auch schon die gesunde Vernunft. Denn nichts kann
ein Verdienst geben, wozn man nicht mit seiner
Frcyheit wirksam gewesen war. Da also der Christ,
dazu daß er ein Christ ist, nichts freywillig beyge-
tragen hat; da es vielmehr eine freye Wohlthat
Gortes war, daß er von christlichen Eltern geboh,
ren und erzogen ward, und eo ip5o die Bekannt-
schaft mit dem Evangelio erlangte, so kann ihm das
kein Verdienst in Gottes Augen geben. Es kann
also den Heyden dieses, daß er ohne seine Schuld
kein Christ ist, in Gottes Augen nichts geringer
machen» Sondern heyde erhaltet) ihr Verdienst
duritz
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