Allgemeine theologische Bibliothek — 4.1775a [VD18 90309928]

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bey de» heutigen Streitigkeiten :c. 55
Pfarrer gegeben scyn soll, auf den Kanzeln zu predi-
gen, was sie wollen. Letzteres verlangt niemand.
Geringere Lehrer müssen still und ruhig erwarten,
was nach und nach bey den entstandenen Dissen,
fionen herauskommen wird. Und wenn sie durch
Lesung guter Brecher gegen die oder jene hergebrachte
Lehrsätze zweifelhaft worden sind, so müssen sie so lan-
ge gar nicht darüber predigen, oder doch ihre Privat-
meynung dabey verschweigen, bis etwas allgemein
entschieden worden ist»
„Aber wie viel, fragt der V. S. 16. würde
denn zu predigen übrig bleiben, wenn man alles, wor-
über Menschen streitig sind, nicht öffentlich vortra-
gen sollte?,. Seltsame Frage! Es ist jawohl zwey-
erley, „allrö, worüber Menschen streitig sindj, und:
„die wenigen Sätze der Dogmatik, darüber neuere
Theologen mit den alten dissenkiren.,, Ist die Fra-
ge von letztem, so bleibt jedem Prediger i)die gan-
ze Moral— und die ist das Hauptwerk für dieCan*
zcln und Schulen und 2) neun Zchntel Dogmatik
übrig, daran cr sich bis ins graue Akter satt predi-
gen kann, ohne sich, wenn er kein leerer Kopf ist, je
zu erschöpfen. Freylich bilden sich viele ein, daß da
doch Hauptlehren verschwiegen werden müssen, wel-
che die Bibel in der Welt auszubreiten allzudeutlich
anbefohlen hat. Allein es ist dieses nichts als Täu-
fchcrey , die aus Mangel kaltblütiger Ueberlegung
entstund. Denn man nehme nur zum Beweise
den Artikel von der Dreyeinigkeit. Man setze den
Fall, alle Prediger enthielten sich von nun an der
Ausdrücke: Dccyemigkeit, Person u s.w. und der
Formeln : „der Sohn Gottes ist die zwote Per>
son in der Gottheit— der h. Geist die dritte—- dem
D 4 Sohne
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