Allgemeine theologische Bibliothek — 4.1775a [VD18 90309928]

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60 Freymüchige Gedanken
wir wollen das alte Mährlein einmal hören, das
der V. vollends ausbetet. „Gott hatte dem ersten
Menschen eine überwiegende Neigung zum Guten
anerschaffen—>„ Falsch! wo steht das in der Bibel?
Gottes Ebenbild ist die vernünftige und eines ewi-
gen Glücks empfängliche Seele. Dieß hat noch
kein Theolog gründlich widerlegen können. Undexe-
getische Machtsprüche gelten nichts.—- Der V. be-
weise erst die „überwiegende Neigung,, mit einem ex,
pressen Ausspruche der Schrift. Dann wollen wir
ihn für einen Mann gelten lassen. — Wo über-
wiegende Neigung zum Guten ist, da findet Sünde
mit völliger Entschliessung nicht statt. Uebereilun-
gen wohl. Aber dafür hat noch kein Theolog
Adams Fall erklärt. Aber vorsetzliche Sünden nicht.
Denn wer aus Gott gebohren ist, sündiget
heißt bcy Johanne herrschende und vorsetzliche Sün-
de) nicht.— Doch weiter. „Weil fie aber demohn-
geachtet ihr Nachdenken nicht genung brauchten —
(es müssen also gar schwache Menschen gewesen
seyn, an denen jene anerschafne Weisheit und Hei-
ligkeit ziemlich unsichtbar wird)— so ist ihre Nei-
gung zum Bösen überwiegend worden.,, Ws steht
das?— Adam blieb das gute, treuherzige Geschöpf,
das er war. Er erkannte feinen Fehler, und trug
mit Geduld die Folgen desselben. Und wir lesen
nicht, daß er fich in der Folge je wieder so vergangen
hätte. „Dieses Verderben ihrer geistigen Natur hat
sich auf ihre Nachkommen fortgepflanzt.,, alles ohne
Beweis— „Gott hat dieß geschehen lassen, weil er
es für gut befunden, daß von diesen verderbten
Stammelkern alle übrige Menschen entstehen sollten,
und weil er ihnen ein Mittel verschaffen wollte — re. „
Das ist nun gerade, als wenn man sagte: »Tirius,
ein
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