Allgemeine theologische Bibliothek — 4.1775a [VD18 90309928]

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Fortgesetzte Betrachtungen. i6i
Man um diese Zeit die ganze Erde bis unter den Po-
len schon bevölkert annimmt. Es ist richtig, war
Las ganze menschlich Geschlecht, zur Zeit der Fluth
noch im südwestlichen Asten beysammen, so konnte
die Fluth in Ansehung der Menschen immer eine all-
gemeine Fluch seyn, wobey die übrigen Thcile der
Erde dennoch verschont blieben, und die in demselben
befindlichen und jedem Klima angemessenen Thiere oh,
ne Wunder und ohne der Arche beschwerlich zu fallen,
erhalten wurden. Allein man kann noch weiter ge-
hen , man kann der mosaischen Erzählung unbescha-
det einräumen, daß auch noch Menschen in andern
Gegenden der Erde erhalten worden; wenn etwa je-
mand die frühe Bevölkerung mancher Länder wie z.
E- Aegyptens, befremden sollte. Diesen Einwurf,
der doch von vielen gemacht worden, hat der Hochw.
Hr. Verfasser weder angeführt noch beantwortet.
Allein er ist auch nicht schwer zu beantworten. Mo»
ses schrieb nicht unmittelbar für alle Völker, son-
dern zunächst für sein Volk; er gedenkt also auch
nur der Begebenheiten, die sein Volk mtereßiren, und
in so ferne dasselbe Ankheil daran nimmt. In Am
sehung dieses Volks war die Sündfluth immer eine
allgemeine, da das ganze Volk, aus welchem seine
Vorfahren abstammten, und alle mit diesem Volke
verwandten Völkerstämme in derselben umgekommen
waren. Was giengen ihm die im westlichen Afrika
oder Europa wohnenden an ? Und was war wohl
natürlicher, a's daß Noah glauben mußte, er mit
seiner Familie wären die einzigen Menschen auf der
Erde; da er, soweit sein Fuß reichte, keine Menschen
fand? und durch was für einen Kanal hatte er von
denen, viele ioo Meilen von ihm wohnenden, et,
was erfahren sollen? Wäre der Gedanke richtig,
Theo!. Bibl. IV. L daß
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