Allgemeine theologische Bibliothek — 4.1775a [VD18 90309928]

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Gesammlete Briefe.
nennt. Noch mehr. Lies einmal 5) die Stellen
Christi und der Apostel, auf die du dich berufst, und
bemühe dich recht genau Achtung zu geben, ob du,
ohngeachtet des harten und rauhen Tons (der er in
unfern Ohren zu seyn scheint,) das Galligte und Bit,
tere fühlen wirst, das der Leser in deinen Ausdrücken
fühlt. Daraus magst du schließen, daß es qerade
nicht auf die Worte, sondern mehr auf ihre Stellung
ankommt, ob sie dem Schriftsteller den Vorwurf der
Grobheit und des Ungestüms machen. 6) Man muß
aber überhaupt, wenn man die Rechtmäßigkeit einer
Handlung beurchrilen will, nicht auf die Handlung
in Abstrakt» ' hen, sondern auf den Nutzen cder Scha-
den, den sie thut. Und bey dieser BetrachtungSark
wirst du finden, daß, ges tzt auch das Schimpfen wäre
im ahstrakto erlaubt, dennoch in den jetzigen Zeiten es
Sünde ist. Denn dazumal hakte der rauhe Ton die
schlimmen Folgen nicht, die er jetzt hat, weil man ihn
mehr gewohnt war. Aber jetzt ist er in der feinem
Wcü so exil und so sehr das Eigenthum des Pöbels,
daß er schlechterdings den Gegner erbittert, dieZuschauer
mit Ekel erfüllt, und den der ihn braucht, aller seiner
gut n Endzwecke beraubt. Dahingegen der sanfte Ton
femer guten Sache Eingang in tausendHerzen verschafft.
Endlich 7) gehört zur völligen Befugniß, sich jenes
harten und ernsten Tons zu bedienen, daß man mit
untrüglicher Gewißheit wisse, man habe Recht und
Wahrheit auf seiner Seite, und der Gegner sey wirk-
lich und gewiß das, wofür man ihn amgübt. Die-
se Gewißheit hatte Christus und die Apostel: Aber
kein Schriftsteller des achtzehnten Jahrhunderts. Wir,
lieber Bruder, befinden uns immer in dem Falle, daß
beyde streikende Parcheyen von Herzen und bona 6clc
pecht zu haben glauben. Ja in den meisten Fällen ist
auch
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