Allgemeine theologische Bibliothek — 4.1775a [VD18 90309928]

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Geistliche Lieder.
Ich bln zu allem Guten träge,
Ich gleit oft auf dem Tugendwege.
Mir fehlt noch viel.
Mir fehlt noch viel, ich werf'Erbarmet, mich
Mit Reu vor deinen Thron;
Mir fehlt noch viel; doch, Gott, ich hoff auf dich,
Ich glaub an deinen Sohn.
Dein Sohn har deinen Zorn gesiillet,
Und das Gesetz für mich erfüllet.
Nun fehlt mir nichts.
Grosser Gott! welche offenbare Verehrung des
gemeinen Volks zum Leichtsinn und Thorheit! wel-
che offenbare Ertödtung aller Antriebe zum Guten!
Welche unmittelbare Zerstörung des wahren thäti-
gen Christenthums l Liegt hier nicht deutlich der ab-
scheuliche Gedanke: „wohl mir: Jesus hat alle Straf-
fen erduldet, alle Pflichten an meiner stak: erfüllet, nun
darf ich mir keine grauen Haare mehr wachsen lassen.
Thu' ich auch nicht immer, was Gott von mir fordert;
thu' ich auch das wenige Gute, was ich etwa thue,
ohne Ernst und Eifer, und ohne Freudigkeit und herz-
licher Willigkeit; bitt ich auch zu allem Guten tra-
ge ; — was ists mehr? Der HErr Jesus hat ja
alles gut gemacht. — Hat also nich-s zu bedeuten.
Sey ruhig, liebe Seele.„ Isis möglich, daß man
ein Mensch, ein Christ' ftyn kann, ohne bey solcher
Dogmatik von Pinehas Eifer erfüllet zu werden?
Ists möglich, daß manLehrer der Kirche mit Gleich-
gültigkeit anhören kann, die, um Christum zu ehren,
Christum schänden? die allen Schaden des Lasters,
alle natürliche gute Folgen der Tugend gerade zu ab-
leugnen, und alles auf Christi Verdienst reduciren,
/ um
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