Allgemeine theologische Bibliothek — 4.1775a [VD18 90309928]

Seite: 271
DOI Heft: DOI Artikel: DOI Seite: Zitierlink: 
https://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/allgemeine_theologische_bibliothek1775a/0279
Lizenz: Creative Commons - Namensnennung - Weitergabe unter gleichen Bedingungen Nutzung / Bestellung
0.5
1 cm
facsimile
Versuch über dieReligionsgeschichte. 271
Wenn auch Cham, eines orthodoxen Vaters ortho-
doxer obwohl nicht frommer Sohn, ihr Bevölkerer
war, so konnte die Lehre bey seinen Enkeln so gut,
als bey denen des JaphetS, verfälscht werden. Daß
ein Volk, dessen König von einem Verbrechen durch
schwere Träume sich zurückhalten läßt, den rechten
Glauben habe, ist offenbar vom Stock auf den Win-
kel geschlossen. Die Beschneidung war entweder in
Aegypten einheimisch, oder wenn sie ja vom Abra-
ham stammte, doch ohne symbolische Bedeutung bey
»en Aegyptiern.— Man sieht, der Verfasser räson-
nirt x«7-' ; denn daß ihm ihr Ursprung
aus dem physischen Bedürfnisse im heißen Süden ein-
gefallen sey, daran würden wir uns schämen zu zweifeln.
Ferner: Von des Orpheus, Pythagoras und
Platons ägyptischen Reisen auf die Entlohnung ihrer
Begriffe aus diesem Lande zu schließen, ist ungereimt.
Waren doch Pythagoras und Plato sehr verschiedener
Sätze. Und was wußten denn diese, was wußte Tha-
les, der auch hinreißte, von unkörperlicher Gottheit?
War nicht Anaxagor der erste, der Gott und Materie
trennte, ohne je in Aegypten gewesen zu seyn? Ja
wenn alles nicht gälte, wer bürgt dafür, daß sich die
Einsichten der Priester aufs Volk verbreitet haben?
Ihr Glaube an der Seelen Unsterblichkeit, wär er
auch aller Zweifel frey, so beweist er den Glauben an
eine Gottheit nicht.
Desto stärkere Gründe reden für Aegyptens Ab-
götterey. Schon unterm Joseph halt' es so gut als
zu Alexanders Zeiten, Priester der Sonne. Es haß-
te die Israeliten, weil sie Thiere schlachteten, die Ae-
gypten göttlich ehrte, oder auch unrein hielte. Daß
es
loading ...