Allgemeine theologische Bibliothek — 5.1775 [VD18 90309928]

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2 8 I. E. Fabers Beobachtungen

14/ 21.// und Faber sezt noch in der Note zu:
so haben dies Work schon der Alex. Hieron. der
Syr. und der Chald. überstzc. Aber ungestraft
hatten wir die vierzehnte Harmarsche Anmerkung
nicht vorbeygehen lassen, wo er erst aus Schllw
anführt/ daß sexuales einander die Schulter im
Oriente zu küssen pflegten, und dann zusezt, daß
die Stellen (Gen. zg, 4. 14, 14. Apostg. 20,
37. Luk. ix, 20.) welche von dem HalsfaÄen und
eine Person küssen, reden, aus diese morgenlän-
bische Manier, bey einer Umarmung die Schulter
zu küssen, eine Beziehung zu haben scheinen. Auf
eben die Art getraute ich es mir, auch von den
Deutschen Zu beweisen, daß sie eben diese Sitte
haben, wenn es gleich in kaUo die offenbarste Un-
wahrheit ist. Aber so geht es jedem, der sich einer
Lieblingsgrille zu sehr überlaßt. Herr Harmar
wollte die biblischen Sitten aus den noch jezt existi-
renden Sitten des Morgenlandes erklären. Dieß
war ein beyfattswürdiger, und von andern bereits
glücklich ausgesührter Gedanke. Aber dann wollte
er auch nicht viel in einem Neisebeschreiber umsonst
lesen, sondern überall, durch Anwendung aus die
Bibel, seine Mühe belohnt haben. Der scharf-
sinnige Schaw hatte gewiß, in seinen Anmerkun-
gen über die Bibel, diese Bemerkung auch gemacht,
wann sein Genie eine solche schielende Verglei-
chung hakte zugeben können.
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