Allgemeine theologische Bibliothek — 5.1775 [VD18 90309928]

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über den Orient. z i
chen werden müssen. Der Orient hak in den letz-
ten zweitausend Jahren so mächtige Veränderun-
gen erlitten; die Völker, die ihn bewohnt Haben,
sind an Geburt, Denkungsart, Lebensart, Gewohn-
heiten und Sitten so sehr untereinander und also
auch von den Hebräern verschieden gewesen, daß
es einem Manne, der Völker und ihre Sitten
beobachtet, außerordentlich befremdend Vorkommen
muß, wenn er den Hebräer bald mit Türken, bald
mir Syrern, bald mit Arabern, bald mir Persia-
nern, bald mit Indiern u. d. m. vergleichen sieht.
Aus diesem Fehler entsteht ein zwoker. Diese
Herren machen Erläuterungen von Sitten der einen
Nation durch die andre, bey denen sich der Ver-
ständige oft kaum des Lachens enthalten kann.
Sich Haare bey der Betrübnis ausreissen ist nicht
Sitte, sondern Ausdruck der menschlichen Natur,
des menschlichen Gefühls, das unter allen Hori-
zonten einerley ist, und nur durch die Kunst ge-
drehter und modisicirter ist. — Dergleichen Er-
läuterungen sind alle unnütz.
Wenn wir alfo wünschen dürften, so wäre es
nicht ein neues Buch von abermaligen Beobachtun-
gen aus Reifebefchreibungen über die Bibel, sie
mögen schon gebraucht seyn oder nicht — sondern
eine Sammlung aus denen bereits verfertigten
Beobachtungen dieser Art, die die Quintessenz der-
selben
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