Allgemeine theologische Bibliothek — 5.1775 [VD18 90309928]

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Abhandlungen. 2^ r
So sang aber die protestantische Kirche steht,
war noch keine Zeit, wie die unsrige, wo auf ein-
mal von so manchen Gelehrten so manche Sätze
wider die symbolischen Bücher öffentlich vorgerra-
gen und ausgestellt worden waren. Es ist beynahe
keine Lehre von denen, die man bisher gewöhnlicher
Weift für Hauptlehren angesehen hat, die nicht
bezweifelt, oder als unschriftmaßig geradehin ver-
worfen worden. Wie viel kommt hiebey auf die
Beantwortung dieser Frage an? Ist ein Angriff
auf das Concordienbuch ein Angriff auf die Wahr-
heit; ist es ein Frevel, Satze zu läugnen, die dorr
behauptet worden, und anzunehmen, was dort
verworfen ist, eine Miffechat wider die feyerliche
Zusage, wider die Religion, wider den Staat ? Nun,
so thun nicht allein die eine große Sünde, welche
Neuerungen in Glaubenssachen anfachen und unter-
stützen, sondern auch die hohen Regierungskottegien
handeln unverantwortlich, daß sie dergleichen Leute
dulden und schreiben lassen, die sie über ihrem Un-
glauben und gegebenes Aergerniß auf der Stelle
vom Lehrstuhl und von der Kanzel verweisen soll-
ten. Ist es aber erlaubt und zuläßig, anders zn
denken, als die Verfasser der symbolischen Bücher
in manchen Dingen gedacht haben, ist es mög-
lich, daß ihre Satze noch besser einzuschranken oder
zu bestimmen wären; kann es ftyn, daß sie auch
noch in wirklichen Lehrsätzen geirrt haben: so kann
und muß man die freye Untersuchung derselben
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