Allgemeine theologische Bibliothek — 5.1775 [VD18 90309928]

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zOo Abhandlungen»
alsdann, wenn seine Meynung den Sätzen der
symbolischen Bücher deutlich und gerade entgegen-
sieht , wenn er nicht bloß Zweifel dawider hak,
sondern sicher und anhaltend überzeugt ist, wenn
endlich die Lehre der symbolischen Bücher, die sein
Herz bestreitet, offenbar schädlich und gefährlich
war, und man fonst dem zu besorgenden Anstoß
und Nachtheile nicht ausweichen könnte. Ich
hoffe, man werde alle diese Einschränkungen billig
finden. Sie verlangen nichts, als daß man kei-
nen Krieg anfcche, wo keiner ist; daß man sich
nicht jeden Wind des Zweifels wider die ordentliche
Lehre einnehmen lasse, daß man diese, so lang es
möglich ist, schone. Das kann alles mit der Ge-
wiffensfreyheit gar wohl bestehen, und muß auch
bey aller Behauptung derselben billig beobachtet
werden.

,,So ist aber der Lehrer ein Heuchler m seiner
Lehre? „ Nur alsdann -st er es, wenn er vor-
gibt, daß er selbst von Herzen jenen Sätzen bey-
pflichte, die er doch wirklich für falsch und irrig
ansieht, wenn er sie in dieser Gestalt vorrrägk und
mit anscheinendem Eifer vertheidigk. Wenn er
aber von Amtswegen fagr, das ist die Lehre der
Kirche u. s. f. fo kann er so wenig eigentlich für
einen unehrlichen Heuchler angesehen werden, als
es ein Beamter ist, der einen herrschaftlichen Be-
fehl bekanntmachen und vollstrecken muß, ob er
gleich
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