Allgemeine theologische Bibliothek — 5.1775 [VD18 90309928]

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Abhandlungen zoA
aus dem wechselseitigen Einflüsse der gesellschaftli-
chen Glückseligkeit.
In Lohn und Strafen sey so kühl als je, und
wo du irgend dich hüten must, Leidenschaft bticke-n
zu lassen, so hüte dich hier. Laß dich nicht von
Entzückung hinreissen, wenn der Knabe gut handelte,
es wäre dann eine That, die der Menschheit Ehre
macht: denn alsdann wird er ihren Werth stärker
fühlen. Lob ihn, beschenk ihn, nur suche von sei-
nem Stolz den Trieb, dec oft damit verbunden
ist, zurück zu halten, die Verachtung andrer.
Merkst du seine Neigung dazu, so ergreis jeden An-
laß, ihm andre neben, oft über zu setzen; nur
schimpf ihn nie, wenn du andre lobst: sein Stolz
wird ohnedieß genug fühlen. Kurz, keine edle
Neigung unterdrücke, und überhaupt sey deine
Belohnung ein Gut von der Arr, wozu der Knabe
Neigung hat. Eine Begier hervorbringen, ist ver-
geblicher Vorsatz: dem Wollüstling eiir Buch, dem
Stolzen Speise zum Lohn geben, hat wenig Er-
folg. Der Zweck des Lohns ist nicht, daß sie
nach gewissen Gütern trachten, sondern daß sie die,
wozu sie die Natur trftbt, durch Arbeit erwerben
lernen. Ihre Seltenheit wird ihnen hohen Werth
beytegen.
Ebendieß ist mut. mut. von Strafen zu sagan.
Leidenschaft laßt uns stets zu weit gehn, und lehr:
sie mehr den Strafenden als das Vergehn fürchten.
Hieraus entsteht ein zweyteö Uebel, das die Sera
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