Allgemeine theologische Bibliothek — 6.1776 [VD18 90309928]

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9O Innere Empfindungen
oder klar und deutlich. Man kan endlich auf den
Innhalr der Wahrheit sehen; da ist sie entweder
historisch oder dogmarisch oder moralisch. Nun be-
weißt der Vers, daß die göttliche Wahrheiten der
heil. Schrift allerdings erbaulich scyn müßen. Die-
sen Beweist hatten wir ihm nach stimm ganzen Inn-
Halt geschenkt. Aber er hat noch Anmerkung da-
bey, die gut und n'thig sind. Daß ncmlich nicht
alles in gleichem Grad (und für alle zu allen Zei-
ten/ setzen wir hinzu/) gleich— erbaulich stynmüs-
se: und daß auch mit einzeln Wörtern kein beson-
dre Heiligkeit, (Kraft zur Erbauung) verknüpft
seye re. Aber auch menschliche Wahrheiten muß
man nicht ganz vorn Erbaulichen auöschlicßen; in-
sonderheit die den Menschen als ein von Gott alle-
zeit abhangcndeS/ als ein moralisch sreyes und zur
Unsterblichkeit bestimmtes Geschöpf darstellen. Fer-
ner können Wahrheiten, die gleichwohlen noch ihre
Dunkelheit haben zu den Erbaulichen gerechnet wer-
den; nicht aber die bloß vernünftige/ wobey nur
allein der Verstand beschäftiget ist. Ob sie nicht
ein entferntes Mittel darzu abgebcn, den sichersten
Grund legen re. wird hiermit gar nicht geleugnet,
nur dieses, daß sie an sich erbaulich scycn. Hinge-
gen müßen die vernunstsinnliche Wahrheiten am
meisten von denen gesucht werden, welche erbauen
wollen.
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