Allgemeine theologische Bibliothek — 7.1777 [VD18 90309928]

Seite: 348
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348 Betrachtung über die natürliche
haben soll; so muß die Vorstellungskraft des Sün-
ders durch sein Genie, ihrer Beschaffenheit und
Stärke nach so bestimmt seyn, daß sie vermögend
ist, die Begierde, darinn das Laster überhaupt und
in einzelnen Fällen bestehet, rührend zu erkennen,
als gut, aber auch als böse, (um sie unterlassen zu
können) und eben so muß auch dieBegehrungSkraft
des Sünders, durch seine individuelle Gcmülhö-
art dergestalt ihrer Beschaffenheit und Größe nach
bestimmt seyn, daß sie im Stande ist diese Begier-
de zu wirken, und auch nicht zu wirken, sondern
wohl gar die entgegengesetzte Verabscheuung« Eine
solche natürliche Anlage zum Laster ist nun, wie aus
den vorhergehenden erhellet, eine bloße physische Um
Vollkommenheit; das natürliche Unvermögen zu
gewissen Tugenden ist deßhalb auch nicht natürliche
Anlage zu Laster, denn wer eine natürliche An-
lage zum einem Laster haben soll, der muß vermö-
gend seyn, die entgegengesetzte Tugend zu erlan-
gen. Und denn, so muß man noch nicht eine jede na-
türliche Anlage zu einer bösen Gesinnung, für eine na-
türliche Anlage zu einem Lasier halten; denn es kann
seyn, daß ein Mensch von dieser Gesinnung, keine
natürliche Anlage zu der entgegengesetzten Gesin-
nung hat. Z. E. die grausame und blutdürstige
Gesinnung der Canmbalen kann vielleicht ein bloß
physischer
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