Allgemeine theologische Bibliothek — 7.1777 [VD18 90309928]

Seite: 352
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352 Betrachtung über die natürliche
wenigstens würde er mehr tugendhafte als laster-
hafte Handlunaen begehen. Darauf folgen Kla-
gen über unsre gewöhnliche Erziehung der Kinder;
der er es vornehmlich schuld giebt, daß so viel la-
sterhafte Menschen sind. Die Verbesserung des
Willens muß, wie aus dieser ganzen Untersuchung
erhellet, durch die Verbesserung des Verstandes
geschehen. Wenn also das Genie eines Menschen
nicht durch Unterricht, oder durch irgend ein ande-
res Mittel abgeändert werden kann; so ist es na-
türlicher weise unmöglich denselben tugendhaft zu
machen, oder ihm eine gewisse Tugend einzustößen.
Indessen erweißt der Verfasser aus seiner bisheri-
gen Theorie, daß eö also, in Ansehung der mensch-
lichen Seele, möglich sey, daß sie übernatürlicher-
weise gebessert, und von Gott selbst die nöthige
Erkenmmß zur Tugend in ihr hcrvorgebracht wer-
de, weil doch diese Erkenntnis' in dem Wesen eines
Menschen überhaupt möglich sey; ( wenn also diese
Erkenntnis in dem bestimmten Mesen eines gewis-
sen Menschen unmöglich wäre; so würde der ganze
Beweis über den Hausen fallen.) Endlich schließt
der Verfasser mit der Betrachtung, daß man durch
Unterricht und predigen der Moral keinen tugend-
haft machen könne, wenn er nicht die natürliche
Anlage dazu hat, daß mau aber deshalb nicht sa-
gen
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