Allgemeine theologische Bibliothek — 10.1778 [VD18 90309928]

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242 Das Christenthum nach der Vernunft
auf den wir in diesem leben unsere ewige Bestim-
mung bauen sollen, bestehet nur allein in einem
Keime, der sich bis zu diesem Zustande aus stch
selbst entwickeln muß; uud darum hat man das
anerschaffene Ebenbild Gottes, in Absicht auf un-
sere sittliche Vollkommenheit, allein in unserm ver-
nünftigen unsterblichen Geiste zu suchen. Soll
der Mensch sittlich werden, so muß er von seiner
Ehre und Gewissen Einsichten haben. Die
erlangen wir zwar auch schon durch die bloße
Betrachtung unserer Natur; aber ein göttliches
Sittengeseh erleuchtet uns vollkommen, und
erkläret die Uebertretung für Sünde und den
Uebertreter für verwerflich und verdammlich.
Wenn wir aber nach diesem Sittengeseh unser
Leben einrichten wollen, muß unser Geist sittlich
fühlbar gemacht werden, welches geschiehst, wenn
wir die Folgen unserer Handlungen, die für uns
entweder heilsam oder schädlich sind, bemerken.
Die Unterhaltung dieses Gefühls erzeuget in uns
endlich die Rechtschaffenheit. Dieses sittliche
Gefühl bewahret das geistliche Leben vor feiner
Zerstörung eben so, als es das leibliche Gefühl
in dem thierischen Leben lhut, Ujid es bemerkt das
Gute und Böse mit einem scharfen Auge augen-
blicklich und zwar um so schneller, als die Empfin-
dung der Ehre und des Gewissens zur Reife ge-
bracht
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