Allgemeine theologische Bibliothek — 10.1778 [VD18 90309928]

Seite: 274
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274 Jochims Anleitung, über die Religion
wird bemerket, daß er ein sehr bequemes Mittel
gewesen sey, den Menschen zur Sittlichkeit anzu-
führen. Von der Schlange, welche die Eva ver-
führte, wird angenommen, es sey keine bloße
Schlange gewesen, sondern ein anderes vernünfti-
ges und bösartiges Geschöpf habe sich der Schlan-
ge bedienet, um seinen Zweck zu erreichen. Die
Frage: warum Gott den Fall der ersten Men-
schen zugelassen habe, ist so beantwortet, daß man
damit zufrieden seyn kann. Wenn man aus dem
Fall Adams die üblen Folgen, die sich über seine
Nachkommen ansgebreitel haben, herleiten will,
so pflegt man gemeiniglich als gewiß vorauszuse-
ßen, daß Adam nicht nur für sich, sondern auch
für alle seine Nachkommen und als deren repra-
sentirendeö Oberhaupt gehandelt und gesündiget
habe, als er gefallen ist; weil aber diese Vorstel-
lung gar nicht in der Schrift gegründet ist, so
wird sie als erdichtet hier verworfen, und dagegen
dies für schriftmäßig gehalten, daß das Vergehen
der ersten Menschen die Gelegenheit und Veran-
lassung geworden sey, daß nunmehr alle Menschen
eine Anlage zum sittlichen Verderben haben, wor-
inn, wie der Verf. meinet, die Erbsünde bestünde,
und die als eine Quelle der wirklichen Sünden
zu betrachten wäre; denn die überwiegende Sinn-
lichkeit sey der Hauptgrund der wirklichen bösen
Hand-
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