Hermbstaedt, Sigismund F. [Hrsg.]
Allgemeine theologische Bibliothek: Bibliothek der neuesten physisch-chemischen, metallurgischen, technologischen und pharmaceutischen Literatur — Berlin, 12.1779

Seite: 350
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känntniß und Verehrung Gottes lehren, und da?
durch die Menschen von dem Laster abziehen, zur
Tugend erwecken und zur Gcmüthöruhe führen.
Nie habe der gemeine Menschenverstand, nie die
durch Philosophie aufgeklärte Vernunft diesen
großen Endzweck so erreicht. Der gemeine Men.'
schenverstand hat zwar immer die Haupnvahr-
Helten aller Religion erhalten: den Glauben an


eine Gottheit, die Hofnung zu einem zukünfti-

gen Leben, den Unterschied des Guten und Bö-
sen, eine göttliche Aussicht auf unfre Handlungen
und Schicksale, göttliche Belohnungen und Stra-
fen in diesem und jenem Leben. Aber dabey er-
hielt sich doch immer Aberglauben unter den Men-
schen, mehr Furcht, als Liebe gegen die Gott-
heit; Rache gegen Feinde ward für erlaubt ge-

halten; eine Rauigkeit in den Sitten begleitet

alle auch noch so erhabene Tugenden (diese Schil-
derung möchte wohl nicht so allgemein gelten).
Die Philosophie (hier redet der V. bloö von der
römischen und griechischen Weltweisheit hat auch
nie viel zur Tugend und Ruhe des menschlichen
Gemüths beygerragen. Fast alle, nur die Ael-
tern und die Stoiker ausgenommen, lehrten keine
Pflichten gegen die Gottheit, nahmen von ihr
keine Bewcgungögründe. Zu allen Tugenden,
die sie anempfthlen, wird eins Weisheit erfor¬


dert,
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