Allgemeines kritisches Archiv — 1.1777

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des Tolon unstreitig ein grösserer Meister/ als
Shakespear und Göthe. Seine vier Haupt-
personen sind Kinder des Todes. Und da-
mit das Metzeln recht Schlag auf Schlag ge-
he/ so bemafnet er seinen Tolon mit drey Sti-
letten zugleich/ deren jedes er in der lezten
Scene glücklich an den Mann bringt. Uebri-
gens kennt der Vers, weder die Sprache der
Leidenschaften/ noch die Kunst Charaktere
anzulegen und auszuzeichnen. Jennemer und
Barwill sind zwey Bösewichter/ einander so
ähnlich/ als ein Ey dem andern/ und Tolon
sagt und rhut nichts / das uns inreressiren
könnte. Wir mußten beynahe lachen / wenn
er S. 4 in einer Monologe ausruft: Nichts
fehlte meinen Feinden/ um ihren Triumph
über den gestürzten Tolon vollkommen zu
machen / als ich und mein Mantelsack! oder
wenn er S. 29 alle Kraft der Sprache der
Leidenschaft zusammennimmt/ und sagt: Gort
wird dir dein Jngeweid zerreissen. Unteutsche
Wortfügungen und Redensarten kommen auf
allen Seiten vor/ z. E. ich habe mir schreck-
liche Unglücke vorausgeahndet — Cs ist ei-
nem Manne empfindsam/ wenn er sicher —
Sie hätten ihnen nicht ausgewichen — Ich
sehe es vor u. s. w. Die Geberdensprache ist
den Schauspielern überall sehr genau vorge-
Leichnet/ und Amalia muß sogar Convulsionen
bekommen. Wenn in dem letzten Akt ein
Kirchhof, nebst einem frisch eröfneren Grabe,
einem
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