Allgemeines kritisches Archiv — 1.1777

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Hr- Dr- Her; heißt einen Mann von Ge.'
schmack, der die Fähigkeit- das Schöne und
Häßliche in den Gegenständen zu entdecken, m
einem vorzüglichen Grade besizt. Die Erkennt-
nis der Schönheit aber sezt eine dreyfache Thäo
tigkeit der Seele voraus, Vorstellung von Man-
nigfaltigkeit oder Einbildungskraft und Vorstel-
lung von ihrer Uebereinstimmung zur Einheit
oder Vernunft, und endlich Vorstellung des
Verhältnisses des Mannigfaltigen zur Würkung
des Ganzen unter sich selbst, welches der Verf.
das Gefühl der Haltung nennt. Wer a o Ge-
schmack haben will, muß diese drey Seele: «raste
üben.
Alles das anzuführen, was er über dies?
Gegenstände richtig und mit vieler Deutlichkeit
sagt, würde zu weit führen; aber eine Bemer-
kung können wir nicht übergehen, die ganz neu
ist, und ihm ganz, wie eö uns scheint, zugehört-
Daß die vermischten Empfindungen aus Lust und
Unlust entstehen, ist eine bekannte Sache, aber
daß sie angenehm und unangenehm werden kön-
nen, nachdem das Verhältnis derselben ist, Hal
bisher noch kein Philosoph so umständlich ausge-
führt. Wenn die Vollkommenheiten, sagt der
Verfasser, so mannigfaltig und wichtig sind, daß
das Unglück sie gar nicht, oder nur wenig hin-
dert, so entsteht in dem Gemüthe des Zuschauers
entweder eine reine angenehme Empfindung, oder
er bleibt gänzlich in dem Zustande der Gleichgül-
tigkeit,
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