Allgemeines kritisches Archiv — 3.1777

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Frauenzimmer ist von si'hr weisser Farbe, zar-
tem Fleisch, sanften Gebehrden, langsamem
und gar zu steifem Gange. Sein Auge ist
schmachtend, das Gesicht öfterer rund, und
der Mund klein. Alles Frauenzimmer ist be-
redr, meistens ohne Leerüre und Wissenschaft,
die Kunst zu gefallen ausgenommen, ohne
Stolz und ohne Complimente, weniger enthu-
siastisch in Religionssachen als die Mannsper-
sonen, biegsam zu allem was gefallt, mit ge-
sundem Menschenverstände begäbet, so, daß
sie es in der Kenntni-ß des menschlichen Her-
zens durch eigene Beobachtungen sehr weit
bringen, und die Manner nach ihrem Willen
zu lenken wissen. Die Jtalianer haben über-
haupt viel Mutterwitz, einen scharfsichtigen
und tiefsinnigen Verstand, sind Verächter
theoretischer Systeme und geneigt nach Empfin-
dungen und Erfahrungen zu urtheilen- —-
Das' Geschäfte der Erziehung ist in den Hän-
den armer, meistens dummer und abergläubi-
scher Weltgeistlichen. — Was vom Römi-
schen Stuhle zu glauben und zu beobachten
vorgefch rieben wird, wird der Jugend nach-
drücklicher eingescharfk, als die Gesetze Gottes
und der Natur. Die Strassen der Verle-
tzung der Kirchengesetze sind ungleich größer,
«lö die der UelEretung natürlicher und göttli-
cher Gesetze. Auf die Ausübung der Kirchen-
straffen wird mit ungemein großer Scharfe ge-
halten, da indessen Betrug, Meineid, Ehr-
Dritter B, P abschnei-
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