Allgemeines kritisches Archiv — 3.1777

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dienen, soll/ daß der Zuschauer ihn glücklich
wünsche. Richard III- ist ein Beweiß der schäd-
lichen Wirkung des Zwanges/ den die Einheit
einem Trauerspieldichter anrhuk. Wider allen
den genugsam bekannten Charakter des Wüt-
richs verweilt er sich bey den Weibern/ dieweil
sein Heer ohne ihn geschlagen wird/ und eilt zn
spat/ nach verlohrner Schlacht/ dahin/ blos um
den Tod zu holen. Eines solchen Fehlers war
der kühne und bey seiner Grausamkeit tapfre Ri-
chard unfähig.
Im zweyten 244 S- starken Bande: Cri-
spuö. Ziemlich historisch/ mit einer Fränki-
schen Helena etwas verlängert. Die neuePhä-
dra ist weit strafbarer/ als die Athenische/ deren
Verschuldung Racine vorrreflich zu mildern ge-
wußt hat. Faustina ist durch und durch ein
Ungeheuer von Bosheit und Betrug. Constan-
tin glaubt doch zu leicht, und LicinS/ eines Fein-
des, Zeugniß sollte ihn nicht verleitet haben,
seinen Sohn hinrichten zu lasten. Warumgiebk
er auch die Krone so leicht diesem Licin, da er
einen zweyten Sohn hak, der schon Cäsar ist?
Crispus ist wirklich tugendhaft und liebenswür-
dig. Mustapha hat bey uns einen Vorzug. Es
ist andem, daß Zeangir einen bey denMahome-
ranern unbekannten Selbstmord aus einer über-
triebnen Heldenfreundschaft für seinen ermorde,
ren Bruder begeht, den er freylich durch einen
bösen ihm aufgedichreten Rath zum Untergang
geholfen
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