Allgemeines kritisches Archiv — 3.1777

Seite: 311
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Keine Biographien im eigentlichen Ver-
stände, noch vielweniger nach dem gewöhnlichen
Leisten zugeschnittene Lebenslaufe, oder tief ge-
lehrte Untersuchungen des Mikrologen über Sa-
chen, die niemand zu wissen verlangt, wird man
zwar hier nicht finden — aber dafür eine ge-
naue Beschreibung der Merke der römischen
Dichter, Zeichnung ihres Charakters, Verglei-
chung ihrer Manier, kritische Entwicklung ih-
rer vorzüglichsten Schönheiten und Fehler; und
dies alles nicht durch blosse Machtsprüche aufs
Gerathewohl entschieden; sondern durch Häufi-
ge Anführung der merkwürdigsten Stellen er-
läutert und bestätiget. Die Freunde der römi-
schen Dichtkunst, welche nicht bloß an der un-
schmackhaften äußern Schaale zu nagen gewohnt
sind, werden dem Hrn. Professor Schmid für
die Uebersetzung dieser Schrift vielen Dank
wissen. Sie hat viel ähnliches mit den bekann-
ten Duschischen Briefen zur Bildung des
Geschmacks/ nur daß, nach unsrer Meynung,
der Teutsche ein feineres Dichtergefühl und ei,
nen richtigem Geschmack hat, als der Englän-
der. Er glaubt z. E. noch immer den grundlo-
sen Einfall, daß Virgil in seiner vierten Ekloge
nicht nur die Fragmente der Sibyllinischen Bü-
cher genützt, sondern daß auch diese würklich
Weissagungen von der Zukunft desMeßiasent-
. halten hätten; er giebt, von dem frommen Ein-
fall des P. Bossu verführt, dem Virgil einen
grossen Vorzug vor dem Vater Homer, weil
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