Allgemeines kritisches Archiv — 4.1777

Seite: 180
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gen sehr sichtbar an den Tag legte. — In der
Denkungsart dieser bcyden Fürsten sticht eine be-
sonders verschiedene Modifikation der Seelen-
grösse hervor; überall aber schildert der Verfas-
ser sie mit zu weniger Starke des Ausdrucks. —
Insonderheit zeigt sich Johann Friedrich in so
manchen Suuakionen, wo ein Meister m der
Lunst ZU schildern das hinreissendste Bild
entworfen hätte, unter seiner Feder in gar kei-
nem auffallenden Lichte. — Gewisse Scencn
im Leben großer Personen müssen mir malerischen
Zügen in unsre Imagination hineingerrageu wer-
den, der Erzähler muß die Natur mit ihrer gan-
zen Schönheit gleichsam hineinzaubern, alle seine
Ausdrücke und Wendungen müssen das rhun,
was eine schön gestimmte Melodie thut, sie müs-
sen in unsern Herzen Entzücken erregen, so daß
wir gewisse Erschütterungen fühlen, die uns zum
Erstaunen hinreissen und unser ganzes Gefühl in
Bewegung fetzen. — Aber in dieser Geschichte
ist auch der wichtigste Vorfall, der die grösseste
Wirkung hätte rhun können, mit matten Lippen
erzählt, auf denen alles erstirbt und jede Schön-
heit verwelket. Mit tieferm Blick in das wahr-
haftig große Betragen des vom Kayser gefange-
nen und zum Tode vcrurtheilten Chnrfürsten,
würde ein andrer Geschichtschreiber den Auftritt
mit lebhaftem Farben ausgemahlt haben, den
uns unser Verfasser pag. 48. blos mit den Wor-
ten erzählt: „der Churfürst hörte seinUrtheil-—
vorlesen, welches ihm (ihn) als einem (einen)
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