Allgemeines kritisches Archiv — 5.1777

Seite: 125
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der Landgraf sie immer gemißbilligk, Las Ge-
rücht von der Unlauterkeit dieses Prinzen ge-
glaubt habe, ohne daß man SchärtlinS Cha-
rakter zu nahe träte. Doch auch dieses möcht
ich nicht behaupten, denn man sieht zu deutlich,
daß der Landgraf etwas zu wagen, auch bey den
sichersten Umstanden verhindert habe»
Mich dünkt, aus allen Umständen erhelle-,
wenn man des ehrlichen SchärtlinS Nachrichten
ließt, daß der sonst so chatige Landgraf/ ohne
der Verraeherey schuldig zu seyn, deswegen
nichts entscheidendes zulasten wollte/ um nicht
den Krieg in sein Land zu ziehen, um ihn ir-
den Bayerische« und Schwäbischen Gren-r
zen zu erhalten/ und durch die Verlän-
gerung des Kriegs/ eine Gelegenheit
zum Frieden mit dem Aaystr zu erhalten/
für dessen Macht er sich allerdings, wie Avila
richtig bemerkt, fürchtete. Diesen geheimen
Grund des klugen Landgrafen penetrirte man
nicht, und da die Wirkung davon, fein Wider-
wille bey jeder wichtigen Unternehmung (als die
nothwendig seinen geheimen Wunsch zu einer
Gelegenheit zur Aussöhnung mit dem Kayser
unmöglich machte) sehr auffallend war, so ent-
stand daher das Gerücht von seiner Untreue,
welches Herr Haust« vor einigen Jahren
wieder aufwarmle.
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