Allgemeines kritisches Archiv — 5.1777

Seite: 332
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und zu lange Nitsrnelle. ^lVahre Harms-
r?ie sey immer sein Augenmerk ohne baß der
Vorerag des Gesangs und des Saugers dabey
leide. Ueberhaupk inuß er sich an keine Form
bindeu; wozu sw;sci)enfpre!e und )>rtorncllcn,
ws sie lncht laugen? wozu ein zweiter Theil/
wo doch die Enrpsiudung dicjelbe ist? — wozu
Alrsdchnnngcn und Wiederholungen, wo sid
ain unrechten Lleck siehn? Was se-iue Arbeit für
den Säuger betrift; so schwimme die Stimme
Les Sängers immer auf dem Swom der Beglei-
tung einher, doch ohne zu trinken, oder unter,
zugehn. Macht er Wendungen, so sehe er sie
nicht auf unrechte Worte, als z. E- aus rasen/
Liebe, Stunden, u. s. w. Nur Worte,
dre Leidenschaft athmeu sind dazu geschickt, als
schmachten/ klagen/ selig u. s. w. Ueber-
Haupt soll jeder Tonküustler Redner seyn;
wenn er rühren wellte, sollte er selbst gerührt
seyn, ganz von seinem Dichter durchdrungen
scye, sonst wird er ihn nie wahr und lebendig
darstellen können. Fünftes Rapitel / von
dem Gänger- Der Sanger muß lesen,
schreiben und empfinden können. Er muß
scuren Dichter verstehn/ tief in die Seele
suhlen/ ins Herz singen, sonst verpfuscht er
sein Handwerk. Er declamire daher seine Sin»
gcrollcn immer vorher erst, dann wird er sie
auch richtig singen. Ec muß die Sprache
der Leidenschaften kennen, sein (Aeberdcn-
spie!/ seine AktiHN muß dem Gesgng ange-
messen
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