Allgemeines kritisches Archiv — 6.1777

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,/I) DieMoral ist zu leicht, zir entbehrlich.
Wirkt nicht die Liebe mehr als alle Schlüsse? —-
Kenn ich nichts seligere als dem zu gefallen, den
ich über alles liebe, „ frag ich da Wohlerst: was
soll ich lhun? Die Liebe dringt mich und es ist
geschehen l" — Aber oft bildet man sich ein,
Liebe zu haben, ohne daß es wirklich so ist. Und
oft liegt der Grund davon in irriger Erkenntnisse
Die besten Menschen haben verschiedene Begriffe
von Recht und Unrecht <— oft großen Man-
gel an Billigkeit und Beurtheilung derer, die
von ihnen abweichen. Ihre Liebe gegen solche
verwandelt sich oft in Haß, weil sie meynen, ge-
fährliche Menschen dürfe man nicht lieben, uns
nütze Pflanzen müsse man auörauten, — da
doch unser Herr selbst Unkraut und Weitzen
wollte zusammen wachsen lassen / da er seine
Jünger nicht für fähig genug halt, beydes zu
unterscheiden. (S. 27.)— Ueberhaupt giebe
die Liebe wohl Araft aber nicht Unterricht—'
treibt uns aber sorgfältig alles aufzusuchcn, wo-
durch wir nicht gefallen können. — Dahetz
kommt es denn bey Erkenmniß der Pflicht viel
auf das Herz, aber nicht allem an. (S-4-6-)—'
Aber man macht sich gewöhnlich gar zn geringe
Begriffe von gewissen Dingen, welche doch
von großer Wichtigkeit bey der ganzen Frage
sind. — Dies giebe dem Herrn D. Gelegen-
heit, sich kürzlich, aber mit großer Präcision, über
einige dieser Begriffe zu erklären, redet daher
r) von der Tugend, Gottseligkeit und ihren
Schwie-
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