Allgemeines kritisches Archiv — 6.1777

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der oft widerspricht. In diesem Theil, der mit
dem i?. Brief anfängt, und mit dem 22sten en-
digt, beschäftigt sich Haller theils noch mir den
kleIanAS8, theils mit den übrigen Schriften
des Hrn. von Voltaire. Er folgt seinem Geg-
ner Schritt vor Schritt, und zeigt überall mit
eben so viel Gründlichkeit als Bescheidenheit,
Ivo er ohne Gründe spottet, unrichtige Dinge
als heilige Wahrheiten behauptet, sich in Su-
chen mengt, die er nicht versieht, oder die Wahr-
heit mit sophistischer Kunst verstellt. Man er-
staunt über die Unwissenheit des Philosophen
rrnd über die Frechheit, mit der er dem ungeach-
tet sich als Orakel aufdringt; man erquickt sich
aber auch an der überlegnen Stimme der Wahr,
heit, mit der ihn der keutsche Philosoph zu Bo-
den schlägt, und seine zauberischen Nebel zer-
streut. Wo es auf Alrerthümer, Geschichte,
Philosophie und Naturwissenschaft ankommt,
ist Haller ganz in seinem Fache, minder in der
eigentlichen Theologie. Wer muß nicht den
rechtschaffnen Greis lieben, wenn er ihn mit
ollzugewissenhafter Bedenklichkeit klagen hört?
„ Jahre lang habe ich gewünscht besser zu wer-
den, und ein Christ zu seyn. Umsonst sind
meine Bestrebungen gewesen." Oder wenn er
ihn nach gethanener Aeusserung, daß er sich sei-
ner Einsicht nach keine Hoffnung einer frucht-
baren Besserung einer abgeschiedenen Seele ma-
chen könne, schließen hört: „Ob iw wol keinen
Begrif von den Kräften habe, die im Schooße
der
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