Allgemeines kritisches Archiv — 6.1777

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rhus, den sie in Abwesenheit seines Vaters ver-
steckt hatte, und zwingt die Mutter durch Andro-
hung seines augenblicklichen Todes, daß sie den
Tempel verläßt,und um ihren Sohn zu retten,sich
der Rache ihrer grausamen Verfolger überliefert.
Aus diesem Stoffe hat der Verf alles redlich
gemacht, was sich daraus machen ließ: so redlich
gemacht, daß er feinen sich vorgefetzten Zweck die
Rührung des Zuschauers gewiß nicht verfehlt.
Wen können all die Leiden der Andromache, wen
ihre edle That kalt lassen! Mit der innigsten Theil-
nehmung und Rührung haben wir wenigstens die-
ses Drama aus den Händen gelegt, und es ist in
einer fo edeln und gefühlvollen Sprache mit einer
so hinreissenden Wärme niedergefchrieben, daß die
unempfindlichste Seele gerührt werden muß. Die
aus derAeneide benutzteEpifodethut,in der Thar'
ungemein guteWirkung; fo wie auch das aus dem
Homer übertragene Gebeth. Auf eine solche Act
sollte jeder junge Gelehrte, der fürs Theater
schreibt, es sey nun fürs tragische oder komische,
sein Stofffey von den Alten hergeholt oder nicht,
seine Lektüre der Alten, wenn er sie anders wohl
verdauet hak, zu verwenden suchen. — Herrn
Daßdorfs Reflexionen in der Vorrede über die
Duodramen verrathen den untersuchenden- ein-
dringenden Kopf. Sic verdienen all mit Bedacht
gelesen zu werden. Eine davon, die wir schon
längst im Stillen gemacht harten, können wir
nicht umhin, Herzufetzeit. ,, Einmal glaub ich,
(sagt Hr.D.) daß der Dichter mehr edle und rüh-
rende
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