Allgemeines kritisches Archiv — 6.1777

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vor seinem Tode sorgfältig nachgesehen, und
zum Druck bestimmt hatte. Man findet dar-
um eben dis Mannichfaltigkeic der Materien,
eben den Scharfsinn in den Entscheidungen,
eben die religiöse Ehrfurcht gegen alles, was ge-
schriebenes Recht heißt, wle in den vorigen
Theilen. Ein einziges Beispiel (Bed. rio.)
ist dem Rec. erinnerlich, wo eine klare gesetzli-
che Verordnung nicht befolgt worden wäre;
aber es ist zugleich ein Beispiel, wo sie nicht
befolgt werden mvste. Die römifchen Gesetze,
vermöge welcher derjenige, dem eine Sache le-
girr worden ist, mit einem Andern, welchem
der Testator den lebenslänglichen Genuß von
der nemlichen Sache tegirc hak, Zum Gewisse
konkurriren soll, enthalten etwas so abweichen-
des von der keutschen, und überhaut von der
natürlichen Denkungsart, daß man sie nicht
wohl bey Erklärung der lezren Willensverord-
nungen , bey welchen doch der Wille des Te-
stators die einzige Richtschnur der Auslegung
seyn soll, in Anwendung bringen darf. Einer
subtilen Theorie nach (oder im Geschmacke der
römifchen Juristen) last sich sreylich die gedachte
Entscheidung rechtfertigen, weil ja doch immer
das Legat einer Sache gewissermaßen auch das
Legat ihres Genusses in sich schließt, bekannter
Weise aber zween, welchen die nemliche Sache
vermacht worden ist, zu gleichen Theilen zum
Vermächrniß konkurriren: allein von einem sol-
chen Raisonnemenc muß keine Anwendung auf
die
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