Deutsches Archäologisches Institut / Abteilung Athen [Hrsg.]
Mitteilungen des Deutschen Archäologischen Instituts, Athenische Abteilung — 12.1887

Seite: 190
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Der alte Athenatempei auf der Akropolis.
III.
Der Zusatz, welchen E. Petersen zu meiner Abhandlung
über die Baugeschichte des alten Athenatempels gemacht hat
(oben S. 62), veranlasst mich, schon jetzt nochmals das Wort
zu nehmen. Er versucht die vor der Entdeckung jenes Tem-
pels herrschende Ansicht über das Verhältniss des Erechtheion
zum Parthenon zu vertheidigen und darzulegen, dass meine
Ausführungen über die Bedeutung und die Geschichte des
alten Tempels unrichtig seien.
Ob dieser Versuch gelungen ist, wird die Zukunft lehren.
Mir waren die Einwände, welche Petersen erhebt, meist nicht
neu, haben mich aber auch jetzt nicht an dem Resultat mei-
ner Untersuchung irre gemacht. Dagegen sind sie mir eine
willkommene Veranlassung gewesen, alle Gründe nochmals
zu prüfen, und ich glaube dabei in einigen Punkten zu einer
richtigeren Auffassung gekommen zu sein.
Bevor ich auf die wichtigsten Bedenken, welche E. Peter-
sen ausspricht, näher eingehe, habe ich eine Frage zu erör-
tern, welche den Kern der ganzen Untersuchung trifft, aber
bisher auch von mir weder genügend betont, noch richtig
beantwortet ist.
Die Art und Weise, wie die griechischen Schriftsteller von
den Tempeln der Athena auf der Akropolis reden, führt zu
dem Schlüsse, dass es entweder nur einen Culttempel der
Athena auf der Burg gab, oder dass ein Tempel die andern
soweit an Bedeutung überragte, dass er schlechthin der Tem-
pel genannt werden durfte. So spricht Herodot von dem Me
garon und von dem Adyton der Göttin, als wenn es nur eine
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