Deutsches Archäologisches Institut / Abteilung Athen [Hrsg.]
Mitteilungen des Deutschen Archäologischen Instituts, Athenische Abteilung — 12.1887

Seite: 276
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MISCELLEN

trags. — Derselbe legt Löschcke’s neuestes Programm vor
und bespricht daran anknüpfend die Komposition der west-
lichen Giebelgruppe des Zeustempels zu Olympia. — Lölling,
über die Lage von Tripodiskos.
Woeters: Die Coraposition des Giebels ist nicht so gesichert, wie L.
glaubt. Beobachtungen, die schon von anderen gemacht sind, beweisen viel-
mehr, dass die Gruppen FG und Pf) (Ausgrabungen zu Olympia III Taf. 26)
vertauscht werden müssen, da in der Plinthe von G rechts sich eine eckige
Einarbeitung zeigt, die jetzt überflüssig, ehemals das Hinterbein des Ken-
tauren S aufnahm. Eine Vertauschung der Gruppen IK und MN dagegen ist
unmöglich, weil sonst zwischen dem Ende des Pferdeleibes von Q (der Ken-
taur war nur halb dargestellt) und der linken Begränzung von MN ein etwa
0,20ra grosser Zwischenraum entstehen würde, während das unnatürlich
abgeschnittene Ende des Pferdeleibes selbstverständlich verdeckt sein muss-
te. Mit Annahme der ersten Umstellung ist also die ursprüngliche Kom-
position erreicht. Dagegen ist noch zu beachten, dass die Greisinnen ß, U
und die Nymphe A aus Pentelischem statt Parischem Marmor bestehen und
ebenso der erhobene rechte Arm von V aus Pentelischem Marmor ange-
stückt ist. Hier liegt also eine Restauration des Allerthums (die an der Sima
mehrfach zu constatiren ist, oben VIII S. 279) vor. In der Thal weichen nun
auch die drei Figuren A, B, U in der Arbeit von den anderen beträchtlich
ab. Die Augenlider sind in den äusseren Winkeln bereits richtig getrennt.
Die Gewänder und Haare sind in der Oberfläche rauher gelassen, die ein-
zelnen Faltenwülste nicht so bestimmt gesondert, und noch durch kleine
Vertiefungen belebt; endlich sind die Haare nichl sowohl aus einzelnen
selbständig umrissenen Löckchen zusammengesetzt, als vielmehr durch we-
nig regelmässige vertiefte Zeichnung belebt. Dass A eine Kopie nach dem
beschädigten Original sei, macht die Entsprechung von V klar, dagegen ist
es sehr möglich, und nach den Kopftypen sogar wahrscheinlich, dass die
Greisinnen ß, U späterer Zusatz sind. In der Deutung mag man immerhin
L. folgen, ein Hinweis auf nordgriechische Kunst liegt hierin nicht mehr.
— Als Entslehungszeit darf man, entgegen der üblichen Annahme, auf
Grund der frappanten Verwandtschaft eines Jünglingskopfes von der Akro-
polis (oben S. 266), den Anfang des 5. Jh. in Anspruch nehmen. Dadurch
wird die Urheberschaft des Päonios, die schon durch das Schweigen seiner
Inschrift unwahrscheinlich war, so gut wie unmöglich; die des Alkamenes
lässt sich nur halten, wenn wir uns entschliessen mit L. einen älteren Al-
kamenes vom Schüler des Phidias zu scheiden.

Nachtrag zu S. 204.
Die in Anmerkung 2 genannte Inschrift ist inzwischen veröffentlicht, vgl.
Berliner Sitzungsberichte 1887 S. 1201, 45.

Januar 1888,
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