Universitätsbibliothek HeidelbergUniversitätsbibliothek Heidelberg
Metadaten

Deutsches Archäologisches Institut / Abteilung Athen [Editor]
Mitteilungen des Deutschen Archäologischen Instituts, Athenische Abteilung — 20.1895

DOI issue:
Heft 4
DOI article:
Pomtow, Hans: Ein sicilisches Anathem in Delphi
DOI Page / Citation link:
https://doi.org/10.11588/diglit.38033#0509

DWork-Logo
Overview
Facsimile
0.5
1 cm
facsimile
Scroll
OCR fulltext
EIN SICILISCHES ANATHEM IN DELPHI

493

nur in einzeiligen1 Epigrammen verwendet sind, mit den 14
Beispielen jambischer Senare, von denen nur 3 einzeilige si-
cher authentisch sind, so leuchtet ein, dass auch in unserm
Falle die Wahrscheinlichkeit durchaus für den trochäischen
Tetrameter spricht. Damit wüchse der links abgebrochene Teil
des Steines um 3 Silben, d. h. auf 0,40 oder falls wir gar ei-
nen achtfüssigen Iambus mit 4 Silben Zuwachs anzunehmen
hätten, auf 0,45. Da aber die 12 Buchstaben eines Κορίνθιοι
καί in Z. 2 schon für sich 0,41 beanspruchen, zu denen noch
[Τιμολέ]ω\ mit 0,17 kommt, so leuchtet ein, dass diese 0,58
noch immer weit über die Länge eines achtfüssigen trochäi-
sehen oder iambischen Verses hinüberreichen würden.
Unter diesen Umständen muss auf eine allen Anforderun-
gen entsprechende Ergänzung2 verzichtet werden, um so mehr
als das blosse άπο Καρχαδονίων | [Τΐ|/.ολέ]ων τώι Άπόλλωνι für
jene Zeit zu dürftig erscheint (man erwartet wenigstens das
Patronymikon oder Ethnikon). Auch die geringen Reste der
Zeilen 3-5 könnten nur gedeutet werden, wenn die Zeilenlänge
feststünde. Erst dann liesse sich eine Vermutung darüber wa-
gen, ob wir hier den oder die Namen der Verfertiger eines
ehernen Viergespannes vor dem Streitwagen, oder etwa die
Namen von Bundesgenossen Timoleons3, oder endlich weitere
Reste der poetischen Aufschrift zu erkennen haben. Vielleicht
gelingt es Anderen, mit der Künstlergeschichte Vertrauteren
eine Übereinstimmung unserer Reste mit den Namen bekann-
ter Erzgiesser aufzufinden.
Schliesslich beanspruchen noch zwei andere auf unserer
Platte befindliche Inschriften eine kurze Erwähnung. Es er-
scheinen sowol rechts von Z. 3-5 in dem freien Raume zwi-
schen Z. 1 und 6, als auch dicht unter Z. 6 bis zum unteren

1 Bei Kaibel a. a. O. sind 4 Beispiele vorhanden, von denen nur eines
einzeilig ist, doch geben auch hier iambische Trimeter voraus (Nr. 790).
2 Keinesfalls zu ergänzen ist ein δεκάταν, da wir hier nur ein σκύλοv vor
uns haben, und der ‘Zehnte’ jedenfalls nach Korinth geweiht war.
3 Dass solche vorhanden waren, folgert mit Recht Meitzer S. 329.
 
Annotationen