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Deutsches Archäologisches Institut / Abteilung Athen [Editor]
Mitteilungen des Deutschen Archäologischen Instituts, Athenische Abteilung — 26.1901

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https://doi.org/10.11588/diglit.41307#0377
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ÜBER ZWEI EUBÖISCHE KAMMERGRÄBER 367
Gräberstrasse folgte, sollte zu einer staatlichen Landstrasse
ausgebaut werden. Im allgemeinen beschränkte sich dieser
Ausbau auf Verbreiterung und Chaussierung des bisherigen
Weges; nur an einer Stelle, eine Stunde von Eretria, wurde
ein kleiner Einschnitt gemacht, um der Strasse eine Steigung
von etwa zwei Meter zu ersparen. Etwas Bemerkenswertes war
beim Ausgraben nicht zum Vorschein gekommen, und die Ar-
beiter waren mit dem Ausheben des Chaussegrabens beschäf-
tigt, da stiessen sie abends auf einen grösseren Stein, der in
die Sohle des Strassengrabens unbequem hineinragte. Dies war
der oberste und äusserste Gewölbstein des vorliegenden Kam-
mergrabes. Die Arbeiter fanden Gelegenheit noch in derselben
Nacht das Grab zu leeren und in Chalkis den Dampfer zu
erreichen, der bei Tagesanbruch nach dem Piräus fährt. Der
Unternehmer des Strassenbaues, Herr Makris, wohnhaft zu
Chalkis, reiste den Flüchtigen sofort nach, fasste sie in Athen
ab, und es gelang ihm, ihnen den grössten Teil des Raubes
noch abzujagen und diesen dann auf eigene Rechnung ins
Ausland zu verkaufen. Ein gegen ihn angestrengter Prozess
blieb aus politischen Rücksichten erfolglos, ebenso meine pri-
vaten zweimonatlichen Nachforschungen mit Hilfe der politi-
schen Freunde des Herrn Makris. Eine kleine Oinochoe mit
einfarbigem schwarzem Firnisüberzug war als einziges Stück
aus dem Grabe im Besitz des Makris geblieben, der dafür die
gesetzliche δήλωσις an das Ministerium gemacht hatte. Auch
dieses Stück war seit einiger Zeit verschwunden. Es bleibt
noch die schwache Hoffnung, dass der Zufall zur Wiederent-
deckung des geraubten Grabinhalts in dem Erwerbungsbericht
eines ausländischen Museums führen möchte.
Die Grabkammer von Vathia liegt nicht in dem aufgeschüt-
teten Boden eines künstlichen Hügels, sondern ist in dem ge-
wachsenen Boden des hier sich nach dem Meere zu abrunden-
den Geländes ausgegraben und gewölbt. Auf einem quadra-
tischen Grundriss von 2,80 m sind die Mauern der Kammer
aus regulären Porosquadern mit fast unsichtbaren Fugen und
ohne Anwendung von Mörtel errichtet. Auf der dritten Qua-
derlage der genau nord-südlich orientierten Seitenwände und
in einer Höhe von 1,78 m über dem mit grauen Kalksteinplatten
 
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