Deutsches Archäologisches Institut / Abteilung Athen [Editor]
Mitteilungen des Deutschen Archäologischen Instituts, Athenische Abteilung — 27.1902

Page: 39
DOI article: DOI Page: Citation link: 
https://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/am1902/0049
License: Free access  - all rights reserved Use / Order
0.5
1 cm
facsimile
DIE ARBEITEN ZU PERGAMON 1900 — 1901

39

die gepflasterte Strasse noch erhalten (M auf Tafel VI); sie
läuft dem Brunnen nicht parallel und erbreitert sich daher zu
einem kleinen Platze, der ein geringeres Gefälle hat als die
Strasse selbst. Seine Höhenlage im Verhältnis zum Bassin lässt
uns vermuten, dass man nur in der östlichen Hälfte des Brun-
nens an diesen herantreten und Wasser schöpfen konnte, dass
dagegen im westlichen Teile, wo die Strasse tiefer lag, das
Wasser aus Mündungen (Löwenköpfen) herauslief und in unter-
gestellten Krügen aufgefangen werden konnte.
Während sich hinter dem Bassin starke Quadermauern erhe-
ben (F und G auf Tafel VI), die hoch oben eine noch nicht
untersuchte Terrasse tragen, schliesst sich nach Westen ein
eigentümlicher quadrantenförmiger Bau an, den wir ganz frei-
gelegt haben. Es scheint ein Propylon und Treppenbau zu sein.
Einerseits konnte man, wie trotz der Zerstörung der betreffen-
den Thür nicht zweifelhaft sein kann, in westlicher Richtung zu
der noch unbekannten Terrasse gelangen, deren Stützmauer
wir oben bei Beschreibung der Strasse schon erwähnten. Ande-
rerseits führt eine links abgerundete Steintreppe zu einer noch
wohl erhaltenen Thür, die im Mittelalter zugemauert worden ist
(y auf Taf. VI). Vor ihr haben unsere letztjährigen Ausgra-
bungen Halt gemacht. Vermutlich wird sich nach Öffnung der
Thür eine zur oberen Terrasse (Gymnasion) hinaufführende
Treppe zeigen. In dem östlichen Teile des Propylon liegen
noch einige unverständliche Wasseranlagen, die nicht dem
ursprünglichen Bau angehören. Es dürften Vorkehrungen zur
Regulierung der Wasserverteilung in die zur Unterstadt führen-
den Leitungen sein.
Die Vorderwand des Propylon mit der Eingangsthür ist leider
sehr zerstört. Da aber die Thürschwelle (L) mit ihren Zapfen-
löchern und die Standspuren der die Thür einfassenden Pfeiler
noch erhalten sind, konnte die Gestalt der Wand mit Sicher-
heit ergänzt werden. Warum der Architekt für das Propylon
die runde Form gewählt hat, wird sich vielleicht später nach
Freilegung der Nachbarbauten heraussteilen. Vorläufig wage
ich nicht einmal eine Vermutung darüber zu äussern, um so
weniger als gerade hier die Arbeiten des nächsten Jahres ein-
setzen werden.
loading ...