Deutsches Archäologisches Institut / Abteilung Athen [Editor]
Mitteilungen des Deutschen Archäologischen Instituts, Athenische Abteilung — 27.1902

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Η. ν. PROTT UND W. KOLBE, DIE INSCHRIFTEN

am Abhange| des Stadtberges hin, auf dem der Niveauunter-
schied zwischen den Grundstücken nicht selten Unzuträglich-
keiten der geschilderten Art zur Folge gehabt haben mag.
Aber auch das weniger stark ansteigende Priene zeigt uns die-
selben Peristaseis zum Schutze gegen Feuchtigkeit. In Athen
finden wir einen solchen Isolierschacht f zum ersten Male bei
der Eumenes - Stoa. Es könnte darnach scheinen, dass diese
Erfindung erst in hellenistischer Zeit gemacht sei.
In der griechischen Litteratur wird περίστασις niemals in dem
hier festgestellten Sinne gebraucht. Dagegen hat sich bei Vitruv
de architectura I 1,10 die Erwähnung des entsprechenden römi-
schen Begriffes erhalten. Dort wird von den Anforderungen ge-
sprochen, die an einen Architekten gestellt werden müssen, und
Vitruv verlangt von seinen Kollegen unter anderem die Kennt-
nis des Rechtes, soweit es von Gebäuden handelt: iura quo-
que nota habeat oportet ea quae ?iecessaria sunt aedificiis com-
munium parietum ad ambitum stillicidiorum etc. Daraus können
wir entnehmen, dass ambitiis der griechischen περίστασις ent-
spricht. Über seine Anlage giebt Vitruv VII 4, 1 genauere Vor-
schriften, in dem Kapitel, das mit den Worten eingeleitet wird:
nunc quemadmodum umidis locis politiones expediantur, ut per-
manere possint sine vitiis, expo?iam. Er fasst die Möglichkeit
ins Auge, dass eine Wand durch Feuchtigkeit leidet, und rät
zur Errichtung einer Schutzwand, um diesem Übelstande abzu-
helfen. Sin autem aliqui partes perpetuos habuerit umores, pau-
lulum ab eo recedatur et struatur alter tenuis distans ab eo
quantum res patietur, et inter duos parietes canalis ducatur
inferior quam libramentum conclavis fuerit, Habens nares ad
locum patentem. Man kann nicht verkennen, dass hier vom am-
bitus die Rede ist, obwohl Vitruv das Wort selbst nicht an-
wendet. Nachdem wir festgestellt haben, dass ambitus bei den
Römern als terminus technicus für περίστασις gebraucht wurde,
können wir eine Stelle bei Varro {de lingua Latina V 22) in den
rechten Zusammenhang rücken: nam ambitus circuitus; ab eo-
que duodecim tabularuni interpretes «ambitus parietis» circui-
tum esse describunt. Wenn also das Zwölftafelrecht Bestim-
mungen über die Erbauung des ambitus enthielt, so ist der
Schluss erlaubt, dass Rom auch hierin das Erbe Griechenlands
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