Deutsches Archäologisches Institut / Abteilung Athen [Editor]
Mitteilungen des Deutschen Archäologischen Instituts, Athenische Abteilung — 27.1902

Page: 249
DOI article: DOI Page: Citation link: 
https://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/am1902/0259
License: Free access  - all rights reserved Use / Order
0.5
1 cm
facsimile
BEITRÄGE ZUR TOP O GR AP EHE DER TROAS

249

pole in diesen Dingen und die geringe Bedeutung Ilions gerade
zu jener Zeit, vor Alexanders Ankunft, scheinen mir in zu gros-
sem Kontrast zu einander zu stehen. Es ist daher angezeigter,
in der ausgedehnten Nekropole von Tavolia die vereinigten
Gräberfelder der beiden Städte Aianteion und Rho'teion zu
sehen. Die Analogie zu der oben geäusserten Vermutung, dass
ihnen auch der Hafen gemeinsam gewesen sei, wäre nur natürlich.
Die sachkundige Untersuchung eines noch intakten Teiles
dieser reichen, aber leider schon sehr geplünderten Nekropole
wäre dringend zu wünschen.

2.
Calvert wendet gegen Schliemanns Ansetzung von Rhol-
te i ο n ein, dass es bei diesem nicht auf der Höhe liege.
Schliemann hat indes diesen Punkt nicht übersehen, er konsta-
tiert ausdrücklich antike Reste auch oben * 1 auf dem etwa 50 m
hohen Hügel, der hinter der Nekropole sich hinzieht, und zeich-
net sie auf seinen Karten ein. Man muss zugeben, dass diese
Situation Strabos Angabe «επι λόφω» mindestens ebenso gut
entspricht wie der steile Burgberg von Paläokastro. Aber trotz-
dem wird man, wenn auch ungern, den bei diesem besonders
naheliegenden Vergleich mit δφρΰς darangeben müssen.
Ein Hauptgrund Schliemanns2 gegen die von Calvert be-
reits im Archaeological Journal 1860, 291 ff. vorgeschlagene
Identifikation von It-gelmez mit Ophrynion war, dass ja
dort kein Sumpf liege, während doch Strabo die λίμνη Πτε-

beistimmen. Die Stücke stammen weder aus lokal-iliensischer Fabrik noch sind
sie später als Alexander anzusetzen ; sie sind sicher griechischer Import und noch
sehr wohl am Ende des V. Jahrhunderts möglich, keinesfalls aber jünger als das
erste Drittel des IV. Jahrhunderts, Die ebenso gross, wie reizend aufgefassten atti-
schen und korinthischen Terrakotten dieser Zeit sind ihre Geschwister. Eine
Replik zu der Aphrodite mit dem räuchernden Eros, die aus dem Kertscher Kunst-
handel stammt, ist in den Comptes rendus 1877 Taf. VI, 14 veröffentlicht.
1 Ithaka, Peloponnes und Troja S. 195. Ob die genannten antiken Reste auf
der Höhe einer wirklichen Ansiedelung angehören oder nur einen Teil der unten
daran anstossenden Nekropole bilden, wäre freilich erst durch eine Grabung
zu entscheiden.
- Reise in der Troas S. 2 ff.
loading ...