Deutsches Archäologisches Institut / Abteilung Athen [Editor]
Mitteilungen des Deutschen Archäologischen Instituts, Athenische Abteilung — 28.1903

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DER ARCHAISCHE FRIEDHOF AM STADTBERGE VON TFIERA 87
kantig gestanden haben, so dass der eine Name aufwärts, der
andere abwärts geschrieben gewesen wäre ; doch kann er auch
vor dem Grabe gelegen haben. In Inneren fand sich nördlich
hinten die theräische halslose Amphora A51, gut verpackt
und mit einer Steinplatte verschlossen; sie enthielt unver-
brannte Kinderknochen. Daneben lag verpackt mit der Mün-
dung gegen die Südwand stossend die jonische Amphora G 27,
deren Oberteil man abgeschlagen und nach Bergung der Leiche
eines kleinen Kindes wieder daraufgesetzt hat; auf der Schul-
ter stand die Besitzmarke Φπο (Beil. XXIII 6). Der Befund
stimmt mit den Angaben des Grabsteines überein. Νικόκας —
Νικοκράτης (vgl. Φιλόκκας) und Νάνος (vgl. I. G. I. III 583) sind
die Kosenamen der hier begrabenen Kinder. Die Formen bei-
der Inschriften weisen auf den Anfang des sechsten Jahrhun-
derts, wozu auch das Auftreten der jonischen Amphora passt
(vgl. Thera II S. 228 und unten). Zu diesem Grabe gehört die
folgende Opfergrube.
Opfergrube 112(91). Vor dem Grabe in ist eine recht-
eckige Grube mit leicht geböschten Wänden in den Schiefer
geschnitten ; die Höhe der Rückwand beträgt über 1 m. Zu-
unterst fand sich eine starke Aschenschicht mit Resten der
Holzscheite und Knochen von Kleinvieh; im Schutt darüber
innerhalb der Grube wurden einige Scherben einer korinthi-
schen Oinochoe gefunden (M 3): man hat die Grube also nach
dem Opfer zugeschüttet und Scherben eines benutzten Gefäs-
ses mit herabgeworfen.
Grab 113 (89). Die unterhalb von 112 liegende Begräbnis-
stätte ist von sehr unregelmässiger Form; doch ist es dank
einer in den Fels gehauenen Grabschrift möglich, die alte
Bodenhöhe und damit die Art der ganzen Anlage zu er-
kennen. Das Grab ist innerhalb eines nach Osten, d. h. berg-
auf geöffneten Halbkreises aus Felsblöcken in den Schiefer
gehöhlt. Der südliche Viertelkreis besteht aus drei aneinan-
ander hegenden grossen Blöcken, dann folgt eine Lücke : der
Zugang zum Grabe. An der Seite des nächsten Felsblockes
steht die Inschrift Ύπέρας—die Kurzform des Namens Hype-
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