Deutsches Archäologisches Institut / Abteilung Athen [Editor]
Mitteilungen des Deutschen Archäologischen Instituts, Athenische Abteilung — 28.1903

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DIE GRIECHISCHE BÜHNE

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Schon in unserem Theaterbuche hatte ich mit E. Reisch den
Versuch unternommen, die drei Schriftsteller anders zu deuten
wie bisher und ihre Angaben mit den Aussagen der Ruinen
und der älteren Schriftsteller in Einklang zu bringen. Ich gebe
aber zu, dass unsere Deutungen mangelhaft und nicht über-
zeugend waren, und dass Roberts Einwendungen dagegen be-
rechtigt sind. Seitdem glaube ich eine richtigere Erklärung für
alle drei Schriftsteller gefunden zu haben. Obwohl ich meine
Ansicht über zwei von ihnen schon früher in dieser Zeitschrift
mitgeteilt habe, scheint mir eine erneute Behandlung notwendig,
weil ich einige wesentliche Verbesserungen vorzubringen ver-
mag, und weil nur eine zusammenhängende Erklärung aller drei
Schriftsteller wirklich überzeugen kann.
Ich glaube ein Doppeltes bestimmt beweisen zu können.
Erstens: Die Angaben Vitruvs über das Spielen auf einer hohen
Bühne beziehen sich gar nicht auf das hellenistische Theater,
sondern auf das griechische Theater seiner eigenen Zeit, näm-
lich auf das uns bekannte «kleinasiatische» oder «griechisch-
römische» Theater. Zweitens: Pollux und Plutarch reden da-
gegen vom hellenistischen oder echt griechischen Theater.
Sie lehren aber durchaus nicht, dass die Schauspieler auf einer
erhöhten Bühne und der Chor getrennt von ihnen in der
Orchestra aufgetreten seien; ihre Angaben passen vielmehr
ausgezeichnet zum gemeinsamen Spiel in der Orchestra, wie es
im hellenistischen Theater wirklich stattfand.
Über Vitruvs griechisches Theater habe ich in dieser Zeit-
schrift zwei Aufsätze veröffentlicht (1897, XXII, 439 und 1898,
XXIII, 326). Ich suchte darin nachzuweisen, dass der römische
Architekt nicht von einem älteren griechischen Theater spricht,
das damals gar nicht mehr gebaut wurde, sondern Vorschriften
zum Bau zweier Theatertypen giebt, wie sie nach Aussage der
Ruinen tatsächlich zu seiner Zeit allein noch erbaut wurden.
Dieses Resultat hat sich mir bei weiteren Studien lediglich be-
stätigt und soll durch einige neue Argumente gestützt werden.
Vitruv beschreibt zwei zu seiner Zeit übliche Theaterarten:
einerseits das gewöhnliche römische Theater mit einer niedrigen
und tiefen Bühne und einer kleinen Orchestra, in der keine
Aufführungen stattfanden, sondern nur Sitze für die Senatoren
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