Deutsches Archäologisches Institut / Abteilung Athen [Editor]
Mitteilungen des Deutschen Archäologischen Instituts, Athenische Abteilung — 36.1911

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A. FRICKENHAUS

Äpfelopfer, das Herakles in Mellte empfing und von dem er
den Spitznamen 'Äpfelherakles' bekommen batte. Wir erfah-
ren auch, dass der Kultinhaber den Namen Alexikakos führte
(Zenob. V 22) und dass er ein Kultbild besass (App. prov. III
93; vgl. v. Wilamowitz, Aus Kydathen 149 Anm. 69).
Weitere Einzelheiten verdanken wir einem Scholion zu
Aristoph. Fröschen 301, das zum Teil auch bei Hesych (s. v.
ex MeHnp; pctortytac) excerpiert ist. Wir erfahren, dass Hera-
kles in Melite in die kleinen Mysterien eingeweiht wurde,
dass die Nymphe Melite seine Geliebte war, dass in Melite
ennpaveotcuov tepov 'Hguxbeoug abe^xctxot' stand. Das Kultbild
stammte von der Hand des Argivers Hageladas und war
während der grossen Pest (430-426) geweiht b
Wir besitzen endlich auch schon ein Weihrelief aus dem
meliteischen Heiligtum, nämlich das oben schon besprochene
attische Relief in Boston (Nr. 1). Denn wenn hier auf dem
Heroon die Worte 'Hpotxbeoq dbelpxdxo stehen, so erinnern wir
uns daran, dass in Attika, unseres Wissens, nur der Herakles
von Melite den Kultbeinamen (nur darauf, nicht auf den
Charakter des Gottes kommt es an) abe^txaxoq führte, den
er seiner erfolgreichen Hilfe während der Pest verdanktet
Der auf dem Relief dargestellte Ephebe in Verbindung
mit der auf dem Heroon stehenden Amphora hat aber
J. R. Wheeler an die bereits angeführten otvtcifjpta (vgl. oben
S. 136 Anm. 1) erinnert. Allerdings ist nicht überliefert, in
welchem Herakleion dieser Brauch stattfand; aber da nur
das meliteische im Innern der Stadt gelegen und ausserdem

an diesen Stellen, trotzdem man es verschiedentlich behanptet hat, nichts
davon, dass die Meliteer ihrem Heros nur Äpfel opferten; vielmehr fiel nur
dmse Gabe wegen ihrer merkwürdigen Herrichtung dem Apollodor auf
und wurde deshalb verzeichnet.
' Dass diese ganze Nachricht spätestens im II. Jahrh. v. Chr. aufge-
zeichnet wurde und völlig authentisch ist, wird in einem Aufsatz des Arch.
Jahrb. 1911 ('Hageladas') erwiesen werden. Sie bezeugt in Verbindung mit
anderen Punkten die Existenz eines jüngeren Hageladas, der ein Zeitge-
nosse Polyklets war.
^ Leider ist der Fundort des Reliefs unbekannt. Es kann ja schon im
Altertum verschleppt worden sein, und sonst weiss man nur, dass es 1895
in das Bostoner Museum kam.
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