Deutsches Archäologisches Institut / Abteilung Athen [Editor]
Mitteilungen des Deutschen Archäologischen Instituts, Athenische Abteilung — 36.1911

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EINZELFUNDE VON OLYMPIA 1907-1909 183
Anzahl von Geräten aus Stein sich fand. Doch ist dieser
Widerspruch nur scheinbar, und wir haben keinen Grund,
die letzteren deshalb für steinzeitlich zu halten. Das lehren
wieder Funde auf italienischem Boden. Es gibt Terremaren,
in denen ebenfalls nur Steingeräte erscheinen. Werkzeuge
und Töpfe aus Bronze oder Kupfer waren natürlich sehr kost-
bar und wurden, wenn sie defect waren, nicht einfach weg-
geworfen (vgl. Modestov, Introduction ä l'histoire Romaine
183), wie heute noch z. B. in der römischen Campagna die
kupfernen Wassergefässe immer wieder ausgeflickt werden
und sich von Generation zu Generation forterben. Deshalb
können wir nicht erwarten, solche metallenen Gefässe oder
Werkzeuge in Olympia zu finden, die dort ein rarer Import-
artikel gewesen sein müssen und wegen ihrer Schönheit und
Seltenheit in einfachem Material nachgeahmt wurden. Man
tut gut, sich immer wieder zu vergegenwärtigen, dass ent-
legene, vom Kulturstrom wenig berührte Gegenden sehr
lange auf der steinzeitlichen Kulturstufe stehen bleiben. Die
Funde haben gelehrt, dass z. B. in den lessinischen Bergen
bei Verona Steingeräte noch gebraucht wurden bis zur Zeit
der römischen Republik (Bull, paletn. ital. XIII 1887,95);
im Norden Europas hat man sie bis tief in die Bronzezeit
benutzt und ihnen unverkennbar die Form von bronzenen
Vorbildern gegeben (vgl. Sophus Müller, Urgesch. Europas
62 f.; Ed. Meyer, Gesch. des Altertums I, 2. Aufl. 743). Eine
ärmliche, zurückgebliebene Bevölkerung dürfen wir also wohl
in Olympia annehmen, die in einer Zeit, zu der im ägäischen
Kulturkreis die Bronze längst bekannt ist, sich noch steiner-
ner Geräte aus einheimischem Material mit nur ganz gerin-
ger Verwendung des importierten Obsidian bedient und die
kostbaren Metallgefässe zwar kennt, aber das billige thönerne
Surrogat vorzieht. Diese durch Prüfung der Gefässe und
Geräte gewonnene Ansicht von dem Alter der olympischen
Funde wird bestätigt durch den wichtigen Fund der spät-
mykenischen Scherbe in Bau IV (vgl. oben S. 176) an einer
Stelle, wo kein Grund zur Annahme einer Störung der Schicht
vorliegt. Der Fund ist vereinzelt, man darf aber hoffen, dass
bei einer späteren Ausgrabung sich noch weitere mykenische
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