Deutsches Archäologisches Institut / Abteilung Athen [Editor]
Mitteilungen des Deutschen Archäologischen Instituts, Athenische Abteilung — 36.1911

Page: 202
DOI article: DOI Page: Citation link: 
https://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/am1911/0220
License: Free access  - all rights reserved Use / Order
0.5
1 cm
facsimile
202

G. RODENWALDT

ser wie der älteren knossisclien Ornamentik ist Grau in ver-
scliiedenen Nuancen.
Von den Resten des jüngeren Palastes sind die Funde
vom Westabkange deshalb besonders wichtig, weil sie offen-
bar von der Decoration einiger weniger Räume herrühren.
Daher lassen sich hier einige grössere bildliche Zusammen-
hänge im Worte und teilweise auch in der Zeichnung recon-
struieren. Von besonderer Bedeutung ist ein langer, etwa
0,34 m hoher Fries mit der Darstellung einer Eberjagd. Wahr-
scheinlich in der Mitte war die Jagd in vollem Gange; die
Eber werden von den Hunden angegriffen und im Sprunge
vom Jagdspiess in die Stirne getroffen, andere haben sich in
weit ausgespannte Netze gefangen. Weitere Tiere sollen auf-
gespürt werden ; eine Reihe von Hunden wird von Dienern
noch an der Leine gehalten. Von den Seiten kommen Jäger
und Jägerinnen noch zur Jagd heran, und von den beiden
Enden des Frieses nahen zu Wagen weitere Jagdgäste. Von
einem solchen Wagen zeigt Abb. 2 eine von Kurt Müller ge-
zeichnete Reconstruction. Unsicher ist der obere Verlauf der
seitlichen Brüstung und das Costüm der beiden Damen. Ihre
Köpfe stammen von einer im Gegensinn bewegten Gruppe.
Alle anderen Teile sind durch zahlreiche, sich z. T. deckende
Stücke von etwa 5-6 Wagen völlig gesichert. Es ist die erste
bis in Einzelheiten exacte, allerdings nicht immer leicht zu
deutende Darstellung eines mykenischen Wagens. Er gehört
in die Gruppe, die durch die knossisclien Schrifttäfelchen,
den Sarkophag von Hagia Triada, einen kretischen Ring und
die kyprischen Vasen gebildet wird J und kann E. v. Merck-
lins Untersuchungen über den mykenischen Rennwagen in
manchen Punkten ergänzen.
Andere, sehr bedeutende Reste führen uns in die Monu-
mentalmalerei dieser Epoche. Tafel VIII zeigt den Kopf und
Oberkörper einer beinahe lebensgrossen Frau (Höhe des Frag-
ments 39, Breite 33,5 cm), darüber den unteren Teil eines
breiten Ornamentstreifens. In welchen Zusammenhang die-
ses Fragment hineingehört, lehrt eine Reconstructionsskizze

E. v. Mercklin, Der Rennwagen in Griechenland 1 5 ff.
loading ...