Deutsches Archäologisches Institut / Abteilung Athen [Editor]
Mitteilungen des Deutschen Archäologischen Instituts, Athenische Abteilung — 36.1911

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FRAGMENTE MYKENISCHER WANDGEMÄLDE 223
ter sein; vermutlich hatte sie ihren rechten Arm über die
Brüstung hängen. Sie sitzt also in entgegengesetzter Rich-
tung, während sie ihren Kopf nach der gleichen Seite, wie
ihre Gefährtinnen, gedreht hat.
So klar die Figuren in ihrem Hauptmotiv erhalten sind,
so sehr haben die Einzelheiten gelitten. Die Art der Erhal-
tung ist durch die technische Ausführung des ganzen Bildes
bedingt, die an diesem Fragmente besonders klar erkennbar
ist. Auf den feuchten Stuckgrund wurden das Blau des Grun-
des, das Ockergelb des einen rechten Pfeilers und das Rot
der anderen Architekturteile al fresco aufgetragen; wo der
gelbe Pfeiler den horizontalen Balken kreuzt, sind beide Far-
ben in einander übergelaufen, kleine Unregelmässigkeiten an
der linken Mittelstütze sind durch schmale blaue Striche
längs der Stütze ausgeglichen. An den oberen, weissen Schich-
ten ist der Stuckgrund ohne Farbe geblieben.
Auf diesem so getönten Grunde wurde alles übrige mit
einem Bindemittel gemalt. Zunächst wurden die Conturen
der Figuren mit dunkelroter Farbe vorgezeichnet. Darauf
wurde mit einer dicken weissen Schicht diese Vorzeichnung
ausgefüllt. Mit demselben Weiss wurden die kleinen Doppel-
beile und die Guirlanden gemalt. Gerade wegen ihrer Dicke
war diese Schicht besonders leicht verletzbar; so hat nament-
lich an den Figuren die Oberfläche sehr gelitten, und die
Conturen sind nur am Gesicht der rechten Dame von der
Stirn abwärts unversehrt; es ist die einzige Stelle, nach der
man die sichere Feinheit der Ausführung beurteilen kann.
Auf das Weiss der Figuren wurden sodann die Ärmel mit
Gelb aufgemalt, das zum Unterschiede von dem al fresco
gemalten Gelb des Pfeilers dem Wasser nicht standhält.
Zuletzt wurden alle schwarzen Details angegeben. Schwarz
ist die verletzbarste Farbe der kretisch-mykenischen Malerei
und selten intact erhalten. Gerade hier ist die Reconstruction
dieser Details wichtig, um sich die Wirkung der Kleinkunst
des Originals klarzumachen. Zum Teil erhalten ist das
Schwarz von Augen und Augenbrauen, des Mundes, der vor
dem Ohr sich herabringelnden Locke, der je zwei Ringe um
das Handgelenk. Verschwunden ist das ganze übrige Haar,
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