Deutsches Archäologisches Institut / Abteilung Athen [Editor]
Mitteilungen des Deutschen Archäologischen Instituts, Athenische Abteilung — 37.1912

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DREI ATTISCHE STATUEN DES V. JAHRHUNDERTS 155
in Olympia geschmückt haben kann (Text zu Furtw.-Reichh.
Taf. 116-119, S. 297 ff., besonders S. 324). Die unleugbare
Ähnlichkeit zwischen dem Kopf auf der Akropolis und dem
des Apollon im Westgiebel (Olympia III Taf. XXIII) besteht
hauptsächlich in äusseren Formen. Übereinstimmend sind
die Umrisse von Schädel und Gesicht, die Behandlung der
am Kopf anliegenden, scharf voneinander getrennten und
horizontal gewellten Haarsträhnen, die Grenzlinie der Haare
über der Stirn und die Form von Augen und Nase. Diese
genaue Übereinstimmung ist um so auffallender, als der Un-
terschied im Ethos einer reichen Entwickelung von gegen
zwanzig Jahren, die zwischen der Entstehungszeit der bei-
den Werke liegen, durchaus congruent ist. Es ist, als ob ein
verschlossener Jüngling zum tatkräftigen Mann gereift wäre.
Noch näher steht dem Epheben anerkannterweise der
Kopf der Euthydikos-Kore Nr. 686, die ebenfalls östlich vom
Parthenon gefunden wurde (Musees d’Athenes Taf. XIV; Win-
ter, Arch. Jahrb. II 1887, 216 ff. Taf. XIV; Br.-Br. Taf. 459 B;
Lechat, Μνημεία τής Ελλάδος 81 ff. Taf. XVII 2; Dickins 241 ff.).
Zu ihr steht er in dem Verhältniss eines nur wenig jüngeren
Bruders. Mit ihr verbinden ihn sowohl der übereinstimmende
Schnitt des Gesichts und Einzelformen, wie die in die Unter-
lippe eingreifende Spitze der Oberlippe, als auch der vor-
nehmere, ruhigere und gesündere Charakter gegenüber den
zierlicheren, anmutigeren, aber unnatürlicheren älteren Ro-
cocofiguren. Trotzdem ist die Kore des Euthydikos nicht
von den älteren Frauenstatuen zu trennen. Ihr Meister hat
sich zwar von dem Geist der ionischen Kunstschule losge-
sagt, aber er hat seine Statue doch noch in gleicher Weise
kleiden und frisieren und vor allem in derselben Technik
ausführen müssen, wie seine Vorgänger. In einem ähnlichen
Verhältniss steht nun der Torso, den Wolters dem blonden
Epheben zugewiesen hat, zu älteren ionischen Jünglingsfi-
guren. Das lehrt besonders die eigenartige Bildung der
Pubes. Das Schamhaar besteht aus zwei dünnen, gegenstän-
digen Strahlen, an deren Verbindungsstelle oben eine kleine,
hadelartige Spitze, unten ein Halbkreis ansetzt, der den Penis
umrahmt. Die Ausführung der Haare war—wie bei dem
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