Deutsches Archäologisches Institut / Abteilung Athen [Editor]
Mitteilungen des Deutschen Archäologischen Instituts, Athenische Abteilung — 37.1912

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DREI ATTISCHE STATUEN DES V. JAHRHUNDERTS 173
spaltene kleine Falten. Der zusammen geschobene und vom
Schoss herabhängende Teil des Mantels ist stark gewölbt,
vorn und seitlich tief unterschnitten. Es fehlen die unendlich
vielen reizvollen Einzelmotive, die an den leichten, durch-
sichtigen Frauengewändern des Parthenon - Ostgiebels alle
Flächen wieder in kleine Flächen zerlegen. Hier sind zwar
auch keine leeren Teile, aber alles ist den Hauptzügen unter-
geordnet, die von leisen Wellen begleitet werden. So ergibt
sich ein kräftiges, ruhiges, grosses Gesamtbild, das in der
Wirkung am meisten der auf Agorakritos zurückgeführten
Demeter in der Sala rotonda des Vaticans gleicht.
Wir dürfen also annehmen, dass wir in der Statue vom
Acharnischeu Tor die Kultstatue eines kleinen Demeter-
Heiligtums besitzen. Das Fehlen des Kopfes macht es un-
möglich, sie genauer zu datieren und mit Sicherheit einer
bestimmten Kunstschule zuzuweisen, doch scheint das Ori-
ginal im Kreise des Phidias entstanden zu sein. Die nicht
feine, aber stilgetreue Copie wird der ersten Kaiserzeit ange-
hören. in der man die ernsten Schöpfungen des fünften Jahr-
hunderts bevorzugte. Es ist sehr möglich, dass sie das ver-
nichtete oder nach Rom verschleppte ältere Kultbild des-
selben Heiligtums reproduziert. Die erhaltene Statue war
offenbar lange in Gebrauch und wurde in späterer Zeit ein-
mal ungeschickt restauriert.
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