Deutsches Archäologisches Institut / Abteilung Athen [Editor]
Mitteilungen des Deutschen Archäologischen Instituts, Athenische Abteilung — 37.1912

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DIE ARBEITEN ZU PERGAMON 1910-1911

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in III über dem Mauerstumpf. Die Form variiert kaum;
das scharfkantige Vortreten des Tellerbodens am Ansatz
des unprofiliert emporgellenden Randes ist typisch. Ein der
unteren Kante entsprechendes leichtes Nacliaussenbiegen
des oberen Randes kam in IV vereinzelt vor. Diese Form
bildet wohl die Zwischenstufe zu derjenigen, wo der ganze
emporgehende Rand sehr stark ausgekehlt ist; sie dürfte
die ältere sein und findet sich z. B. in tiefen Schichten am
Gestade der Westseite, etwa gegenüber der kleinen Insel:
dort scheint somit älterer Ofenschutt abgelagert zu sein.
Ein vollständiger Teller im Akademischen Kunst-Museum
zu Bonn (Inv. 1 328) mit dem stark ausgekehlten Rand
und zweizeiligem Stempel XAPl|CIOY ', hat einen Rädchen-
kranz im Innern — statt dessen sich in Tschandarli wohl
meist ein bis zwei concentrische Kreise finden — und sehr
breiten niedrigen Standring, beides Merkmale früher Ware.
Der Bonner Teller stammt aus Südrussland (Aukt. Kat. Slg.
Vogell Nr. 509) und gehört der nach Zahn echtsamischen
Sigillatagruppe an. Ausser durch seinen mutmasslichen Ent-
stehungsort und seine Form beansprucht er noch dadurch
besonderes Interesse, dass auch er den Eindruck eines der
scheibenförmigen Brennplätzchen trägt, was für direkte Füh-
lung der Werkstätten von Tschandarli mit Samos spricht.
Dieselbe ältere Bildung des Standringes kommt bei Typus 1
in Tschandarli nur bei einer vereinzelten und kaum zum
Ofenabfall gehörigen Scherbe aus II vor, wo wie bei dem
samischen Teller auch die Aussenseite glänzenden Sigillata-
überzug trägt, und um den emporgehenden Rand ein Band
gelegt ist, auf dem ein rudimentäres co förmiges Henkel-
chen aufliegt. Die Randbildung dieses Fragmentes steht den
spätaugusteischen arretinischen Tellern am nächsten, wie
sie in Haltern1 2, Typus 2, Vorkommen, zusammen mit Täss-

1 Bei den Scherben aus Tschandarli ist die Bodenmitte keinmal erhal-
ten, doch scheint bei dem Fragment eines besonders kleinen und sauberen
Exemplares das Ende eines Stempelfeldes noch sichtbar zu sein.
2 Siegfr. Loesclicke, Keramische Funde in Haltern, Westfäl. Mitt. V
1909, 101 ff.

ATHENISCHE MITTEILUNGEN XXXVII

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