Deutsches Archäologisches Institut / Abteilung Athen [Editor]
Mitteilungen des Deutschen Archäologischen Instituts, Athenische Abteilung — 41.1916

Page: 21
DOI issue: DOI article: DOI Page: Citation link: 
https://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/am1916/0037
License: Free access  - all rights reserved Use / Order
0.5
1 cm
facsimile
DIE KYPSELOSLADE

21

nahestehenden Metallintarsia und ihre Weiterbildung wenigstens
die beiden epischen Schildbeschreibungen, die dem VIII. und
VII. Jh. angehören werden. Vielleicht hat ihr Vorbild zu der
reichen Buntheit der Tonmalerei auf den kleinen ,protokorin-
thischen ’ Meisterwerken beigetragen, die ja gewiß in der Nähe
der Residenz Perianders entstanden sind. Auf diese Möglichkeit
zuerst hingewiesen hat wohl Furtwängler zu der Berliner Ken-
taurenlekythos (Kl. Sehr. II 106). Die Fortdauer bunter Intarsia
auf Holz kennen wir von hellenistischen Sarkophagen (Watzinger,
Gr. Holzsark. 91). Aus archaischer Zeit ist sie uns wenigstens
durch die Elfenbeineinlagen von einer zerfallenen Holztruhe aus
Gordion bezeugt (S. 6). Für die Kypseloslade setzt ihre lange,
im ganzen gute Erhaltung voraus, daß die Einlagen, besonders
die Elfenbeinteile, nicht nur aufgeklebt, sondern fest eingelassen
waren. Dabei konnten sie ebensowohl durch Ritzung wie durch
Relief belebt sein. Im allgemeinen scheint man Reliefdarstellung
bevorzugt zu haben, was auch die Funde aus dem Heiligtum
der Artemis Orthia bezeugen (BSA. XII 327f., XIII llii./Ey.
ccqx. 1924, 25 ff.), während Ritzung gewöhnlich nur auf Platten
für Zeichnung angewendet wurde. Die Reste von Gordion bieten
leider nichts sicher Figürliches. Aber daß auf- oder eingelegte
Elfenbeinfiguren ohne Reliefierung, nur durch Ritzung belebt
sein konnten, beweisen für die archaische Kunst die aus Süd-
rußland stammenden Bruchstücke ganz platter Tiergruppen, be-
sonders Löwen, von Elfenbein im kunstgesch. Museum der Univ.
Würzburg (Inv. 3081; hier Taf. II, III nach dortiger Phot.). Ent-
sprechend zum Einlegen aus Bronzeblech ausgeschnittene archa-
ische Tierfigürchen, Eber und Stier, mit geritzter Innenzeichnung,
in Athen gekauft und angeblich in Theben gefunden, besitzt als
Geschenk von Prof. Dr. jur. von Zahn das Archäologische In-
stitut in Leipzig (Abb. 4; Inv. M. 252/3). Bekannter sind die viel
großem ausgeschnittenen Gestalten von Jägern mit Steinböcken
aus Kreta, die mehr Relieferhebung haben (de Ridder, Bronzes du
Louvre I Nr. 93/4 Taf. 11; J. H. S.XXX 1910, 227 Taf. 12). Ähn-
liche, nur rohere Mannsfiguren aus Phigaleia bringt die ’Ey. ägx.
1910, 307 f. Einen Stier freier Kunst mit gesenktem Kopf, ganz
wie auf Münzen von Thurioi, veröffentlichte Emerson aus
Metapont (Amer. Journ. of arch. IV 1888, 28). Noch in das
loading ...