Deutsches Archäologisches Institut / Abteilung Athen [Editor]
Mitteilungen des Deutschen Archäologischen Instituts, Athenische Abteilung — 41.1916

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WALTHER WREDE

Chalkidischesh Und endlich gehört auch das Gespann der Chigi-
kanne in diese Reihe: während der erste Kopf natürlich gehalten,
der zweite in ganz unwahrscheinlicher Weise vorgezogen ist,
sind die beiden letzten in üblicher Staffelung hoch empor-
gehoben; dabei ist die Staffelung der Körper und Beine noch
eine ganz geringe, die Konture schieben sich nur eben aus der
völligen Deckung heraus1 2. Dieselbe Chigikanne zeigt aber etwas
Neues bei den Reitern, deren Anordnung darauf hinweist, daß
bereits in dieser Fabrik neben der ‘asymmetrischen’ Bewegung
der Pferdeköpfe die ‘symmetrische’ — d. h. die beiden vorderen
Köpfe gesenkt, die beiden hinteren gehoben, je unter sich ge-
staffelt — bekannt war: die Köpfe des jedesmal an zweiter
Stelle marschierenden Pferdepaares der Kanne sind gleichmäßig
gehoben, um nicht von der Kruppe der vorderen verdeckt zu
werden. Dieses Schema ist in den Darstellungen der korinthi-
schen Kunst zum Kanon für das Viergespann geworden: Pferd 2
seitlich vor 1 gestaffelt, beider Köpfe scharf auf den Hals heran-
genommen; 4 ebenso seitlich vor 3 gestaffelt, beide aber merk-
lich hinter 1 und 2 zurückgestaffelt, ihre aufgeworfenen Köpfe
über Widerrist und Hals von 1 und 2 gehoben. Diese Formel
ist in der gesamten archaischen Flächenkunst, soweit es galt,
ein Gespann in absolutem Profil zu geben, als Grundform maß-
gebend geblieben und ist noch tief ins V. Jh. hinein angewandt
worden3. Wenn Exekias (23) den Kopf des zweiten Pferdes
senkt, so bedeutet das ein neues Streben nach Abwechselung,
aber durchweg auf der Grundlage dieses ‘symmetrischen’ Schemas.
Die Abwandlung, die auf 72 erscheint: Herausdrehen des zweiten
Pferdekopfes in Vorderansicht, ist von dem schon im strengen
schwarzfigurigen Stil geschaffenen Typus des schräg aus dem
1 Furtw.-Reichh. 101 = Rumpf, Chalk/Vas. Taf. 31 f. Einen anderen
Versuch zur Differenzierung, gleichsam die Umkehrung der letzteren, stellt
das Pferdepaar der Timonidasflasche AM. XXX 1905 Taf. VIII = Pfuhl
Abb. 174 dar, der aber auch auf der chalkid. Vase Furtw.-Reichh. 102, la
= Rumpf, a. a. O. Taf. 48 u. 51 wiederkehrt.
2 Die umlaufenden Viergespanne der Berliner protokorinth. Lekythos
Arch. Jb. XXI 1906 Taf. 2 bewähren ihren ornamentalen Charakter, wenn
ihre vier Pferdeköpfe ganz gleichmäßig gestaffelt sind.
3 Z. B. Amazonenkrater Furtw.-Reichh. 117; Parthenonfries Michaelis,
Parthenon Taf. 11, XXV, XXX, XXXI u. a.
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