Deutsches Archäologisches Institut / Abteilung Athen [Editor]
Mitteilungen des Deutschen Archäologischen Instituts, Athenische Abteilung — 41.1916

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FRITZ SCHACHERMEYR

Die in verschiedenen Höhen gefundenen beigabenlosen Skelette
entsprechen der Sitte der Beisetzung im Wohnbezirk, wie sie
uns auch noch in Hanai-tepe entgegentreten wird.
Unter den Einzelfunden entsprächen Tierknochen und ver-
kohltes Getreide beiden Auffassungen, wenn auch hier der
Gedanke an Abfallknochen und verbrannte Getreidevorräte näher
liegt als an Totenopfer. Als Grab- oder Opfergaben teils un-
wahrscheinlich, teils ausgeschlossen sind aber die im Bos-öjük
gefundenen Kornquetscher, Mörser, Stößer, die Gußform eines
Dolches und auch die Tongewichte.
Der Bos-öjük war somit einst eine Siedlung, ein Bauern-
dorf, dessen Bewohner Ackerbau und Viehzucht trieben und
sich auch auf primitive Hausindustrie verstanden1. Da die Funde,
besonders die Keramik, den Stufen Troja II bis V entsprechen,
mag die Siedlung in der ägäischen Wanderung ihr Ende gefunden
haben, weil ja Troja VI (und VII a) eine nur in der Troas fest-
stellbare Entwicklungsstufe darstellt, das Hinterland aber weiter
bis 1200 an den Formen von Troja V festhielt.
Es eröffnen sich uns nun auch für die Beurteilung der meist
nur unzureichend erforschten ‘Tumuli’ der Umgebung Trojas
neue Gesichtspunkte. Wir können sie ihrem Alter nach ein-
teilen in solche aus prähistorischer, aus griechischer und aus
römischer Zeit. Älter als die ägäische Wanderung sind Besika-tepe,
Hanai-tepe, Kara-agatsch-tepe und wohl auch Pascha-tepe. Aus
der Zeit des VI. bis V. Jhs. stammen die sog. Gräber des Achilleus
und Patroklos2, dann der Udschek-tepe3. Griechisch-römisch
ist In-tepe (Schliemann, Ilios 721 ff.; Winnefeld 543). Der Grab-
charakter steht dank Auffindung von Grabkammer mit Skelett-
resten und Beigaben fest im Achilleusgrab, doch dürfte auch
die Mehrzahl der anderen aus griechischer Zeit stammenden

1 Das gleiche muß dann naturgemäß auch von dem Hügel zuTschai
gelten, der nach Körte (a. a. 0.39) die gleiche Struktur aufweist wie
Bos-öjük.
2 Achilleustumulus: Schliemann, Troja 271 ff.; Dörpfeld, Troja und
Ilion (Winnefeld) 544; Grabmal des Patroklos: Schliemann, Troja 282;
Winnefeld, a. a. O. 545.
3 Hier haben Dörpfelds jüngste Ausgrabungen Klarheit geschaffen.
Der Bau ist im VI. Jh. v. Chr. entstanden (Festschrift f. A. Götze 115ff).
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