Deutsches Archäologisches Institut / Abteilung Athen [Editor]
Mitteilungen des Deutschen Archäologischen Instituts, Athenische Abteilung — 43.1918

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Geometrische Stiie in Griecheniand

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Während nach den einen dort Orestiden herrschten^), berichtet Heha-
nikos (Scho!, zu Plat. Symp. 208 D = fr. 10), daß Penthiios, der Eponym
der in Mytiiene herrschenden Pentheiiden, der Sohn des Boros, ein Ur-
enkel des Neleus war, welcher als der Führer der ionischen Auswanderer
und als Gründer von Milet galt. Frühzeitig hat also schon die attische
Chronistik daran gearbeitet, Athen den Ruhm der führenden Macht bei
der Kolonisation Kleinasiens zu sichern und das ionische Ansehen zu
stärken. Wenn wir nun hören, daß ein Sohn und der Nachfolger des
Neleus in Milet Hippokles hieß, so ist es sehr verlockend, in ihm den-
jenigen zu sehen, den die ionische Tradition nach unserer Vermutung
zum zweiten Gründer des kleinasiatischen Kyme gemacht hatte^).
Er ist wirklich Atticis ortus, und mit dieser Annahme wäre der Schlüssel
gegeben zu jener vorausgesetzten Verwechselung. Aber es ist nichts
davon überliefert. Auch das Datum würde keine Schwierigkeiten mehr
machen. Die ionische Wanderung wurde von den Alten 4 Generationen
nach dem Fall Trojas oder besser nach Orestes (= aeolische Wanderung,
Pind. Nem. XI 43 ff. Schol. zu dieser Stelle = Hellanikos fr. 114) an-
gesetzU). Da die atthidographische Quelle der parischen Marmor-
chronik Orestes ein Jahr nach dem Fall Trojas ansetzt, beginnt die Gene-
ration des Hippokles, die nächste nach der des Neleus, in dem chrono-
logischen System des Eusebius und seiner Quellen 133/4 Jahre nach 1183,
also 1050/49 vor Chr. Wann die Verwechselung der beiden gleichnamigen
und — einem Teil der Überlieferung nach — vielleicht von gleichnamigen
Gründern angelegten Städte in Kleinasien und Italien sowie die Be-
ziehung der der aeolischen Welt natürlich unbequemen angeblich ionischen
Gründung von Kyme auf das Italische eingetreten oder vorgenommen
i) Aristot. Polit. V 1311 b; Paus. 11 18, 6; Tzetz. zu Lyk. 1374; ein König
Agamemnon von Kyme: Poüux IX 83.
h Aiexander Aitoios bei Parthenios 14; Töpffer, Attische Geneaiogie 235;
Daß Hippokies Herrscher von Milet ist, stört nicht; auch sein Vater Neleus
hat in gleicher Eigenschaft weitere Kolonien angelegt, z. B. Erythrae, Harpokrat.
s. v. '.Epv&pctrot; Hellanikos fr. 63. Die gleiche Tendenz, durch mythische
Konstruktionen eine ionische Besiedelung vor die aeolische zu setzen, sehen wir
auch in der Überlieferung über die Gründung von Smyrna am Werke, wo der
Athener Theseus von einem bestimmten Überlieferungszweig zum xrtori/y
gemacht wird. E. Rchde, Rhein. Mus. XXXVI 1881, 391 f,
Ü Strabo XIII 3 C 582; Unger, Die troische Ära des Suidas 80 f.; Ed.
Schwartz, a. a. O. 55; Jacoby, Küo 11 1902, 434.
Athen. Mitteilungen XXXXIII 1918

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